Offenheit in Wissenschaft und Kultur: Impulse zum Ausprobieren & Machen

Veröffentlicht am 7.9.2019

Gestern fand in Hamburg das ‘stARTcamp meets HOOU’ statt. Der Titel der Veranstaltung lautete ‘No limits?! – Wissenschaft und Kultur für alle’. Mit dem Barcamp sollten insbesondere Kultur- und Wissenschaftsakteure aus dem Bereich Openess zusammengebracht und Austausch ermöglicht werden. Aus meiner Sicht ist dieses Konzept wunderbar aufgegangen!

Der besondere Reiz der Veranstaltung lag für mich in dem - selbst für ein Barcamp überdurchschnittlichen - diskursiven Charakter. Sehr viele Sessions waren bewusst als offener Austausch gestaltet.

Daneben gab es aber auch einige ganz praktische Anregungen und Ideen, die geteilt wurden. Was ich mir darauf aufbauend als spannende Aktivitäten für Bildungsakteure vorstellen könnte, halte ich in der folgenden Liste fest - subjektiv und ganz sicher nicht vollständig. Für viele weitere Inspirationen lohnt es sich, den Hashtag #schh19 durchzusehen. Von der HOOU@HAW ist auch eine Dokumentation angekündigt.

1. Mit dem Chrono Research Lab auf virtuelle Zeitreise gehen

Matthias greift offene Kulturdaten auf - und entwickelt daraus interaktive Web-Anwedungen. In dem auf dem Startcamp vorgestellten Chrono Research Lab wird historisches Kartenmaterial zu interaktiven Zeitreisen aufbereitet. Als praktisches Beispiel zum Ausprobieren eignet sich das Ansehen und Nachspielen der Forschungsreise von Alexander von Humboldt gut. Weitere Beispiele findet man auf der Website des Projekts.

2. Podcasten ausprobieren

Christian und Matthias haben eine Session zu Podcasts angeboten - und ihre Präsentation mit Tipps, Tricks und Links zum Podcasten geteilt. Vielleicht für manche ein guter Einstieg, um es einfach mal auszuprobieren. Ein weiterer, hilfreicher in der Session geteilter Link ist Sendegate: eine Online-Community rund ums Podcasting, die gerade Einsteiger/innen hilfreiche Tipps bietet.

3. Ein erstes Making Projekt umsetzen

Mit Beyond the Screen wurde auf dem stARTcamp eine Online-Plattform vorgestellt, auf der einfache Ideen zum Nachmachen aus dem Bereich des Making vorgestellt werden. Außerdem erhält man dort weitere Informationen darüber, wie Making funktioniert. Alle Inhalte sind offen weiternutzbar (CC BY).

Als Ergänzung ist auf der Plattform ein Bereich für Lehrende unterschiedlicher Bildungseinrichtungen geplant. Sie sollen dort Handreichungen und weitere Hilfestellungen erhalten, Die Ideen der Plattform können aber natürlich auch schon jetzt einfach so ausprobiert werden.

4. Lerneinheiten über Objekte gestalten

Dominic hat die Praxis-Session ‘Bricolage mit Grenzobjekten’ angeboten. Im Rahmen der Session haben mehrere Kleingruppen Ideen entwickelt, wie Lerneinheiten aufbauend auf ein in einem Museum gefundenen/ online veröffentlichten Objekt gestaltet werden können. Seine Präsentation zu der Session findet sich bei Slideshare. Die Erarbeitungen der Lerneinheiten in den Kleingruppen sind in einem Etherpad zu finden (Zum direkten Ausprobieren oder als Inspiration, um auf ähnliche Weise eine Lerneinheit zu entwickeln). Ein schöner Link, der außerdem im Rahmen der Session geteilt wurde, sind die Kunstlabore. Hier findet man OER-Unterrichtsanregungen für Kunstprojekte im schulischen Kontext.

5. Mit H5P Medien zum Mitmachen machen

Oliver hat auf dem stARTcamp die Open Source Software H5P in einer Session vorgestellt. Mit H5P lassen sich mit relativ geringem Aufwand interaktive Bildungsmaterialien gestalten – z.B. Videos mit Unterbrechungen, Drag and Drop Angebote oder Quizze. Auch wer die Vorstellung auf dem Barcamp verpasst hat, kann mit H5P ohne Anleitung beginnen: entweder mit Registrierung direkt auf der H5P Website oder - zum ersten Testen - auf Einstieg H5P. Tipp für den Einstieg: Bestehende Inhalte remixen, d.h. kopieren und an ihnen weiterarbeiten. Dann sieht man, wie der jeweilige Inhaltstyp funktioniert.

6. Ein neues, offenes Veranstaltungsformat ausprobieren

Das stARTcamp startete am Vorabend mit einem ‘Unpodcast’: Statt vorher vereinbarter Beiträge konnte sich jede Person, die wollte, mit einem Thema melden - und wurde dann dazu 7 Minuten interviewt. Ich habe einen Blogbeitrag zu dem Format geschrieben - und denke: Es eignet sich nicht nur für alternative Podcast-Aufzeichnungen , sondern auch für ‘Un-Podiumsdiskussionen’.

7. Sich zu weiteren Veranstaltungen anmelden / Termine vormerken

Im November und im Februar finden bei Berlin und im Schwarzwald Werkstätten zur Gestaltung digitaler Bildungsmaterialien statt. Neu gestartet ist der ‘Call for Communities’. Er ermöglicht jeder interessierten Person/ Organisationen für eine oder für beide Werkstätten ein Projekt vorzuschlagen und Menschen zu suchen, die daran mitarbeiten wollen. Wer also vom #schh19 oder auch von woanders eine gute Idee für ein Bildungsmaterial bekommen hat, das unbedingt umgesetzt werden sollte, hat bei den Werkstätten dazu die Gelegenheit. Expert/innen-Input und Austausch gibt es noch obendrauf! Und natürlich kann man sich auch einfach einer bestehenden Community anschließen.

Und außerdem empfehle ich unbedingt den 21.-23. Februar 2020 als Termin zu blockieren: Hier findet Hacks & Tools in Hamburg statt - eine Veranstaltung, bei der Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam Ideen entwickeln, was aus offenen Forschungsdaten, offenen Bildungsmaterialien, offener Software und offener Wissenschaft Neues entstehen könnte. (Ich freue mich sehr, dass ich an dieser Veranstaltung mit konzipieren darf!)

8. Die HOOU-Plattform erkunden

Immer noch viel zu wenig bekannt ist aus meiner Sicht das Online-Angebot der Hamburg Open Online University. Es findet sich dort eine immer größer werdende Sammlung mit Lernangelegenheiten zu unterschiedlichen Themenbereichen - alle als OER und in verschiedenen Kontexten nutzbar. Einiges davon kann sicher auch schon für die Schule von Interesse sein.

Fazit

Martin Zierold hat das stARTcamp mit einer Inspirational Keynote eröffnet. Sein Abschlussfazit kann auch über die Veranstaltung hinaus beherzigt werden. Hier vertwittert:

"Es ist besser, bei dem anzufangen, was man kann als zu sagen: 'Das, was ich will, kann ich nicht' - und nichts zu tun." @MZierold #schh19

— Oliver Tacke (@otacke) September 6, 2019

Ich bedanke mich sehr bei allen teilgebenden und organisierenden Menschen für einen spannenden, inspirationenreichen Tag!

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