Hilfreiche Reflexionsmodelle für das Lehren und Lernen in einer digitalen Welt

Ich beteilige mich aktuell am MOOC OntarioExtend, der zum Ziel hat die unterschiedlichen Rollen von Pädagog/innen im 21. Jahrhundert näher zu beleuchten und darüber zu lernen. In dieser Woche geht es um die Rolle als Technologe/ Technologin im Kontext von digital-unterstützten Lehr- und Lernszenarien. Dabei werden mehrere Modelle vorgestellt bzw. erwähnt, die beim Lehren und Lernen in einer digitalen Welt unterstützen können. In diesem Blogbeitrag möchte ich sie vorstellen und - wo es mir sinnvoll erscheint - anpassen bzw. übersetzen.

SECTIONS: Reflexion zur Auswahl von Bildungstechnologie

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Technologie im Bildungskontext ist nicht leicht. Insbesondere wenn es nicht nur um ein simples Tool geht, das kurzfristig und ohne Vorbereitung oder Kosten zum Einsatz kommen kann (und im besten Fall von den Lernenden selbst ausgewählt wird), sondern mit dem auch längerfristige Konsequenzen verbunden sind. Für die Reflexion bei der Auswahl kann das so genannte SECTIONS Modell genutzt werden. Die Buchstaben stehen für S = Students, E = Ease to use, C= Costs, T = Teaching, I = Interactions, O = Organisation, N = Networking, S = Security und Privacy.

In dem folgenden, übersetzen und angepassten H5P-Inhalt aus dem MOOC finden sich Leitfragen zu allen SECTIONS-Bereichen, die zur Reflexion beim Technologie-Einsatz genutzt werden können. Wer die Freifelder zum Eintrag der eigenen Antworten nutzt, kann sich diese anschließend als Text-Dokument exportieren und weiter nutzen.

CRAAP (bzw. übersetzt und angepasst: PARKA): Unterstützung bei der Kuratierung von Materialien

Für die Bewertung bei der Auswahl von Materialien und Informationen - insbesondere bei wissenschaftlichem Arbeiten im akademischen Bereich - haben Sarah Blakeslee und ihr Team an der California State Universitität, Chico das so genannte CRAAP-Modell entwickelt. Es steht für Curreny (Aktualität), Relevance (Relevanz), Authority (Glaubwürdigkeit/ Autorität), Accuracy (Akkuratheit/ Korrektheit) und Purpose (Anliegen/ Ziele). Ich habe mich entschieden dieses Modell nicht nur zu übersetzen, sondern auch anzupassen. Im Ergebnis ist das PARKA Modell entstanden. Die Anpassung erschien mir vor allem vor dem Hintergrund von Open Educational Resources (OER) sinnvoll. Denn hier ist nicht so sehr die 'Autorität' des Urhebers entscheidend, sondern eher der Prozess der Entstehung. Vor diesem Hintergrund steht PARKA dann für Prozess, Aktualität, Relevanz, Korrektheit und Anliegen. Fragen, die man sich demnach bei der Bewertung eines Materials auf Basis dieses Modells stellen könnte, wären die folgenden:

  • Prozess: Wie und durch wen ist das Material entstanden? Wurde es durch vielfältige Perspektiven bereichert, bereits häufig weiter genutzt?
  • Aktualität: Ist das Material aktuell bzw. kann ich es einfach aktualisieren?
  • Relevanz: Ist das Material für meinen Lernkontext/ mein Lehranliegen relevant? Unterstützt es mich beim Lehren/ beim Lernen?
  • Korrektheit: Ist das Material akkurat gestaltet? Funktioniert es? Kann ich es nutzen? Sind Standards wie Quellen-/ Lizenzangaben vorhanden?
  • Anliegen: Welches Ziel wird mit dem Material verfolgt? Passt dieses Ziel zu meinem Nutzungszweck bzw. wie kann ich bei der Nutzung mit diesem Anliegen umgehen?

THINK: Hilfestellung bei Online-Aktivitäten - insbesondere in sozialen Netzwerken

Das THINK-Modell ist sicherlich nicht nur für Lehrende relevant. Mir war es im Vorfeld bekannt aus Medienkompetenz-Veranstaltungen mit Jugendlichen. Die in diesem Bereich oft vorgestellte 'Regel' lautet: Think before you post! Das Verb 'think' steht dabei für die folgenden Fragen:

  • Is it True (wahr)?
  • Is it Helpful (hilfreich)?
  • Is it Inspiring (inspirierend)?
  • Is it Necessary (erforderlich/ nötig)?
  • Is it Kind (freundlich, nicht-agressiv)?

Fazit

Modelle wie SECTIONS, CRAAP (bzw. PARKA) sind sicherlich vereinfachend und sollen das auch sein. Als erster Anstoß zur Reflexion in den jeweiligen Themenbereichen können sie aber aus meiner Sicht gut unterstützen. Insbesondere das SECTIONS-Modell scheint mir lohnend zur Beschäftigung (und gegebenenfalls auch zur Weiterentwicklung.

Update:: Zu Recht, wie ich finde, wurde zu diesem Blogbeitrag angemerkt, dass es sich bei dieser Art von Kürzeln nicht um 'Modelle' handelt, sondern um einfache Vorschläge oder Listen. Ich werde den Begriff 'Modell' bei zukünftiger Kommunikation dazu deshalb nicht mehr verwenden.