Mit Lego Ideen für eine offene Bildungspraxis entwickeln

Veröffentlicht am 5.3.2020

In diesem Blogbeitrag stelle ich den Workshop ‘Mit Lego Materialien für eine offene Bildungspraxis entwickeln’ vor. Ich habe das das Konzept heute beim Barcamp ‘Digital und Teilbar’ von EPALE in Fürth zum ersten Mal ausprobiert.

Die Materialien für den Workshop habe ich als OER zum Weiternutzen gestaltet und verlinke sie im folgenden Text. Ich bin gespannt auf Deinen Remix des Konzepts und freue mich über Feedback. Und sehr gerne entwickle ich das Konzept auch für Deine Bildungsorganisation weiter und gestalte mit und für Euch einen Workshop dazu :-)

Warum Lego?

Lego als Möglichkeit für kreatives Denken habe ich zum ersten Mal 2018 vom Verein Crea Germany kennen gelernt. Der Verein bietet unter anderem zahlreiche Workshops mit dem so genannten ‘Lego Serious Play’ an und gestaltete auf dem Barcamp Edunautika Sessions dazu. Ausführlicher beschäftigt habe ich mich mit Lego dann bei der Kreativitäts-(Un)-Konferenz Play4Innovation. Daran anschließend habe ich mit Lego im Rahmen von mehreren eigenen Design Thinking Workshops experimentiert.

Überzeugend an der Nutzung von Lego in Workshops finde ich, dass das Bauen und Spielen mit den Legosteinen das Denken öffnet und auf diese Weise zu neuen Ideen führt. Man fängt einfach an, etwas zu bauen - und im Prozess entstehen dann immer mehr Ideen, was man vielleicht noch ergänzen könnte. Im Kontext der so genannten 4K Kompetenzen für eine zeitgemäße Bildung - Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken - unterstützt Lego somit insbesondere die Kreativität - in der ‘Übersetzung’ von Jöran das ‘neu Denken’.

Warum Lego im Kontext einer offenen Bildungspraxis?

Das Ziel dieses Workshops war es, Lego als Kreativitätsmethode auf den Kontext der offenen Bildungspraxis zu übertragen. Ich halte Lego hier für sehr geeignet, da es den Blick weiten kann von der Frage ‘Wie schreibe ich eine offene Lizenz?’ hin zu ‘Wie mache ich mit und dank Offenheit gute Bildung?’

Um diesen großen Rahmen aufzuspannen, waren OER und Offenheit im Rahmen des Workshops eher implizit als explizit ein Thema. Angelegt war dazu im Rahmen des Konzepts, dass die eigenen Learnings geteilt werden, dass der Blick vom Lehren auf das Lernen gerichtet wird, dass eine offene Zielgruppe aufgezeigt wird und dass Kollaboration stattfindet. Auf diese Weise waren wesentliche Parameter einer offenen Bildung ‘vorgegeben’. Verankert sind sie zum Teil im Workshopablauf; zum Teil auch als Ergänzung zu den folgenden wichtigsten ‘Regeln’, die ich auch für Lego-Workshops zu anderen Themen verwende.

Wie geht das? Die wichtigsten ‘Regeln’!

Die wichtigste ‘Regel’ für den Einsatz von Lego in Kreativitäts-Workshops lautet: Wir denken mit den Händen! In der Theorie klingt das vielleicht nur wenig nachvollziehbar - das ändert sich aber, sobald man einmal praktisch bei einem Lego-Workshop mitgemacht hat: Wenn eine bunte Mischung an Bausteinen vor einem liegt, dann fängt man fast automatisch damit an, die irgendwie zusammenzusetzen - und im Bauprozess entsteht dann eine Idee nach der anderen.

Die zweite wichtige ‘Regel’ lautet: Ideen klauen - aber keine Legosteine. Zumindest zum Einstieg hat jede Person ein festgelegtes Set von Legosteinen, mit denen sie bauen kann - und für den Einstieg baut auch jede Person für sich. Was dabei aber nicht nur möglich, sondern sehr erwünscht ist, ist nach rechts und links zu blicken und zu schauen, was andere bauen - und daraus Ideen für den eigenen Bauprozess zu gewinnen.

Das Bauen - dies ist die dritte ‘Regel’ - geschieht dabei stets metaphorisch: ein Edelstein kann für ‘Glück’ stehen, ein Windrad für ‘neue Ideen’ oder eine Brücke für ‘Austausch’. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch. Wofür die gebauten Objekte stehen, entscheidet die bauende Person.

Um Ideen mit anderen zu teilen gehört Storytelling als vierte ‘Regel’ unbedingt zu einem Lego-Workshop dazu. Am besten funktioniert das in Kleingruppen von ca. 4-5 Personen: Im Anschluss an eine ‘Bauphase’ stellt man sich gegenseitig das eigene Ergebnis vor und erzählt den anderen in der Gruppe, was man gebaut hat.

Für die Übertragung auf den Kontext der offenen Bildungspraxis habe ich für diesen Workshop schließlich wie oben dargestellt noch eine fünfte ‘Regel’ ergänzt: Wir dokumentieren und teilen unsere Ideen! Denn das Teilen und der Remix von Ideen ist für mich mit die wichtigste Grundlage für eine offene Bildungspraxis.

Was passiert im Workshop? Der Ablauf im Überblick

Der Workshop bestand aus drei Phasen: Vorbereitung, Praxis und Reflexion. In der Vorbereitung habe ich insbesondere die oben dargestellten Regeln erläutert, die Teilnehmenden in möglichst diversen Kleingruppen zusammenfinden lassen und die verwendeten Materialien (siehe dazu unten bei Materialien zum Weiternutzen) verteilt und erklärt. In der Reflexionsphase zum Schluss hielten alle ihre Learnings aus dem Workshop fest und teilten sie in der Lerngruppe. Für diese beide Phasen war insgesamt eine halbe Stunde eingeplant. Zeitlich umfangreicher war die Praxisphase. Hier sollten mindestens weitere 1,5 Stunden zur Verfügung stehen.

In dieser Praxisphase wird Lego gebaut :-) Jede Bau-Einheit umfasst dabei eine kurze Vorstellung der Aufgabe, das individuelle Bauen, das Storytelling dazu und das Festhalten von Notizen. Im Ablaufplan gibt es die folgenden Bau-Einheiten:

Welche ‘Ergebnisse’ sind zu erwarten?

Es ist wichtig, dass gleich zu Beginn die Erwartungen und Ziele an den Workshop transparent gemacht werden. Insbesondere sollte kein fertig konzipiertes Bildungsangebot erwartet werden. Ziel ist es vielmehr, das eigene pädagogische Handeln unter dem Kontext der Offenheit zu reflektieren und dabei maximalen Austausch zu realisieren.

Wie kann ich das remixen? Die Workshopmaterialien als OER

Zur Durchführung des Workshops benötigt man Lego-Steine. Ich habe als individuelle Bausteine-Sets gute Erfahrungen mit den ‘Window Exploration Bag’ von Lego gemacht. Diese Sets sind leider recht teuer, aber dafür sehr klug zusammen gestellt. Für die Dokumentation nutzen Teilnehmende am besten das eigene Smartphone. Als Remix-Vorlage zum Festhalten der Ergebnisse eignet sich diese Quicknote-Vorlage, die einfach kopiert und dann ausgefüllt werden kann. Natürlich kannst Du daraus auch Deine eigene Vorlage gestalten. Die Vorlage ist hilfreich, weil hier der Upload von Bildern (= die Bilder der gebauten Objekte) einfach möglich ist. Alternativ/zusätzlich können Workshop-Teilnehmende auch zum Twittern ermutigt werden.

Die begleitende Präsentation für den Workshop findest Du hier. Zum Remix ist hier das Github-Verzeichnis dazu. Für Teilnehmende gibt es zusätzlich ein Handout, das Du Dir hier als GoogleDoc remixen kannst.

Alle Materialien stehen unter der Lizenz CC0 1.0. Du kannst sie offen weiterverwenden. Über einen Credit freue ich mich!

Wie hat es geklappt? Learnings und Ergebnisse vom #barcampepale

Insgesamt wurden meine Erwartungen an den Workshop sogar noch übertroffen und ich hatte viel Freude bei der Durchführung. Die Teilnehmenden haben sehr konzentriert gebaut, vielfältig überlegt und noch viel mehr miteinander geredet. Einige Ergebnisse kannst Du Dir online ansehen:

Beeindruckt hat mich vor allem die kollaborative Bauphase, in der die Workshop-Teilnehmenden aus ihren individuellen Ideen für Lernangebote zu sehr vielen Verknüpfungen und Vernetzungen mit anderen Ideen gekommen sind.

In der abschließenden Auswertungsphase habe ich einige Stimmen aus dem Workshop mitgeschrieben. Sehr begrüßt wurde der zahlreiche Austausch und Kollaboration in der Bauphase, was stets sehr wertschätzend erfolgte. Das Storytelling über die gebauten Lego-Objekte würde Kommunikation sehr vereinfachen und gewinnbringend gestalten, weil Ich-Zentrierung und Hierarchien wegfallen. An Learnings wurde unter anderem genannt: offener auf neue Ideen zu reagieren, neue Formen der Kommunikation auszuprobieren, Ideen zu klauen oder schnell und spontan etwas zu entwickeln.

Fazit: Ausprobieren!

Ich denke, dass sich LEGO für den OER Kontext wunderbar als Methode eignet, lade ein zum Ausprobieren und freue mich über weitere Workshops dazu!

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