Vergangene Woche war ich bei der Veranstaltung ‚KI und nachhaltige Bildung‚ in Frankfurt, die von der Evangelischen Akademie und vom Medienzentrum Frankfurt gestaltet wurde.
Über meinen inhaltlichen Impuls im Plenum zur Frage, ob KI die Bildung besser macht, habe ich direkt noch auf der Rückfahrt gebloggt. In diesem Beitrag folgt nun ergänzend die Dokumentation meines Vorab-Workshops und meine Notizen von den anderen Impulsen.
Workshop: Twin Transition – Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Der von mir vorab angebotene Workshop war eigentlich gar kein klassischer Workshop, sondern das Angebot, einen gemeinsamen Denkraum zu öffnen: Wie können die beiden Transformationsprozesse von Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Bildung synergetisch zusammengebracht werden?
Wir hatten knapp 90 Minuten Zeit und sind folgendermaßen vorgegangen:
Erster Schritt war eine kurze Einordnung im Plenum: Mit Twin Transition (Zwillingstransformation) ist eine gemeinsame Betrachtung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeint. Mit pädagogischer Brille ergibt sich somit die Frage, wie Lernende Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklung entfalten können und wie Lernen im Kontext von Digitalisierung und Digitalität gestaltet werden kann.

Anschließend verteilte ich Karten in zwei Farben: Je nach Kartenfarbe notierten die Teilnehmenden entweder einen Aspekt zum Bereich Digitalisierung oder einen Aspekt zu Nachhaltigkeit. Mit den Karten begaben wir uns in einen Kartenaustausch.
Dann hatte ich ‚Blitzlicht‘-Flipcharts vorbereitet: In Kleingruppen sammelten die Teilnehmenden, was sie entweder zu Digitalisierung oder zu Nachhaltigkeit in der Bildung zuversichtlich stimmt, wo sie Herausforderungen sehen, was Impulse sind oder welche Fragen sie haben. Mithilfe eines Gruppenpuzzles wurde dann die jeweils andere Perspektive ergänzt.

Auf dieser Grundlage begaben wir uns in ein ‚Sprechen & Zuhören‘: In Kleingruppen hatten alle 3 Minuten Redezeit. Die anderen hörten dabei nur zu. Diese Methode ermöglicht es, dass neue Gedanken entstehen können.

Auf das Sprechen & Zuhören folgte eine Sammlung und Ergebnissicherung: In Kleingruppen sammelten alle, wie sich Synergien befördern oder behindern lassen.

Insgesamt hielten wir diese Ergebnisse fest:
🌱 Synergien befördern
Haltung & Kultur
- Offene Haltung entwickeln
- Konstruktive Fehlerkultur etablieren
- Über den Tellerrand schauen
- Gemeinsames Narrativ finden
Pädagogischer Ansatz
- Querschnittsthemen integrieren (BNE, Demokratiebildung, Inklusion)
- Vom reinen Fachdenken wegkommen
- Vielfalt ermöglichen
- Das Alte im neuen Gewand umsetzen
Zusammenarbeit
- Vernetzen & Teamarbeit
- Multiprofessionelle Teams bilden
- Partizipation der Lernenden
- Augenhöhe mit Schüler*innen
- Eltern & familiären Kontext einbeziehen (nicht aus Verantwortung lassen)
Rahmenbedingungen
- Gerechtigkeit: Allen steht alles zur Verfügung
- Lebenslanges Lernen & Fortbildungen ermöglichen
- Ermutigen statt einschränken
🚫 Synergien verhindern
Starre Strukturen
- Lehrplan/Curriculum als Begrenzung
- Kultusministerium-Vorgaben als Hemmnis
- Steile Hierarchien
- Benotung von Leistung
Geschlossene Haltung
- „Mein Fach“, „schon immer so gemacht“
- Einzelkämpfer*innen-Denken
- Polarisierung
- Instruktive (statt offene) Elternarbeit
Fehlende Strategie
- Weitermachen wie bisher
- Ohne Konzept arbeiten
- Technik kaufen (ohne Konzept)
- Additives Prinzip: immer mehr aufaddieren
Hemmnisse
- Reine Einschränkung auf Fachliches
- Fehlende Motivation
- Überforderung
- Klick-Anleitungen
- Verbote
Zum Abschluss verteilte ich noch die folgende ‚Würfel-Liste‘, mit der man für sich je 6 Begriffe zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit notieren und dann mit je zwei erwürfelten Begriffen eine Twin Transition Idee entwickeln kann.
Vielen Dank für den gemeinsamen Austausch!
Impulse im Plenum
Im anschließenden Plenum gab es insgesamt vier Impulse, die – nach einer Einführung von Nico Häger – sich mit unterschiedlichen Aspekten von KI und Nachhaltigkeit befassten.
Aus dem Einstieg von Nico nehme ich den Appell mit, dass wir uns – in Anlehnung an die Renaturierung von Flüssen – um eine Renaturierung unseres Denkens kümmern müssen. Denn genau wie bei der Begradigung von Flüssen droht mit KI eine Begradigung und damit Verflachung unseres Denkens.
Sarah-Indra Jungblut betrachtete den Ressourcenverbrauch und teilte erstens die These, dass die KI, die das Klima schützt, eine sehr andere KI sei als die, die viele Ressourcen verbraucht. Das finde ich eine hilfreiche Darstellung, die sich gut weiternutzen lässt.

Zweitens nehme ich aus ihrem Impuls drei Ansatzpunkte mit, was im Kontext von KI und Ressourcen getan werden kann:
- Sich fragen, ob es für eine Aufgabe wirklich KI braucht
- Sich für grüne Rechenzentren einsetzen
- Reflektieren, welche Modelle man nutzt

Der nächste Impuls kam von Dr. Kirstin Grosse Frie. Sie thematisierte Gesundheit im Kontext von KI, insbesondere im globalen Kontext. Ich nehme aus ihrem Vortrag vor allem die Perspektive mit, dass es auch sinnvolle Wege einer Datensammlung und -nutzung gibt: Nämlich kollektiv und gemeinwohlorientiert.
Fazit
Herzlichen Dank für die Organisation und die Einladung. Ich fand es eine rundum gelungene Veranstaltung, mit der ein wichtiges Thema gesetzt wurde. Schön waren vor allem auch die Murmelphasen zwischen den Impulsen und die abschließende Fishbowl-Diskussion, um in einen guten Austausch zu kommen.

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