Ich bin dabei, die 100. Ausgabe meiner Edumail zu schreiben – und solch eine runde Zahl lädt natürlich dazu ein, sich die bisherigen Ausgaben ein bisschen genauer anzuschauen und sie zu analysieren. So kam ich zu einem kleinen Experiment, wie sich KI-Technologie bei vorhandenen, selbst erstellten Inhalten als Spiegel nutzen lässt. Mein Vorgehen, meine Ergebnisse und meine Reflexion dazu teile ich in diesem Blogbeitrag.
Mein Vorgehen
Um KI-Technologie als Spiegel für selbst verfasste Inhalte zu nutzen, ist es grundlegend, dass man die Hoheit über die Inhalte hat und sie dem KI-Tool als Datenbasis zur Verfügung stellen kann. In meinem Fall war das gegeben: Ich hatte die Edumail in den ersten Jahren zwar noch über ein externes Tool versandt, aber die Inhalte dann – als ich mich für eine digital mündigere Variante des Newsletter-Versands über meine eigene Website entschieden hatte – alle exportiert und auf meine Website übertragen.
Auf meiner WordPress-Website sind nun alle Edumail-Ausgaben seit 2008 als Beiträge eingestellt. Und über die Exportfunktion lassen sich Beiträge leicht nach Kategorie sortiert herunterladen. Die so erhaltenen Daten konnte ich einem lokalen KI-Agenten freigeben.
Mein erster Schritt war dann, den Inhalt analysieren zu lassen und in ein maschinen-optimiertes Format übertragen zu lassen. Danach fand ich es spannend, die Edumails in Hinblick auf Stil, Ausrichtung, Themen und verwendete Begriffe analysieren zu lassen. Durch die Arbeit mit einem KI-Agenten wurden die Ergebnisse direkt auf meinem Rechner gestaltet – und ich konnte mir auch Grafiken dazu generieren lassen.
Ergebnisse
Die meisten Ergebnisse und Darstellungen der KI-Analyse haben mich nicht überrascht. Zum Beispiel, dass sich der inhaltliche Fokus und die Themen in den letzten Jahren verschoben haben:

„Themen: Offene Bildung (OER) ist über alle Jahre konstant. KI steigt ab 2023 sprunghaft zum Leitthema; Corona ist ein kurzer Ausschlag 2020/21; Haltung/innere Entwicklung kommt erst 2022 auf und dominiert 2026.“
Trotzdem fand ich es hilfreich, dass diese inhaltliche Verschiebung nicht nur mein subjektives Empfinden ist, sondern sich auch mit Textanalysen bestätigen lässt.
Weniger bewusst war mir, dass diese inhaltliche Veränderung auch gleichzeitig zu einer deutlich längeren Edumail geführt hat – und vor allem, dass ich dialogischer, d. h. mit mehr direkter Ansprache und mit mehr Fragen, schreibe.

„Umfang und Sprache: Die durchschnittliche Länge einer Ausgabe hat sich verdreifacht — von rund 830 auf über 2.400 Wörter. Der Ton wird deutlich persönlicher und dialogischer (Fragen und direkte Ansprache steigen stark).“
Eine schöne Spielerei ist es, sich die am häufigsten genutzten Begriffe nennen zu lassen. Ergebnis: offen und gestalten. Das finde ich sehr passend :-)
Den Begriff ‚zeitgemäß‘ habe ich vor allem in den ersten Jahren verwendet; inzwischen nutze ich ihn gar nicht mehr.

Überraschter war ich über den Spiegel, dass – obwohl ich im Bildungsbereich mit sehr vielen Frauen vernetzt und in meiner Arbeit feministisch orientiert bin – in meinen Edumails bei Empfehlungen und Erwähnungen ungefähr zu 2/3 Männer und nur zu 1/3 Frauen vertreten sind.

Das Fazit der KI-Auswertung freut mich – und spiegelt mir vor allem, dass das Schreiben der Edumail auch für mich eine große Lernreise ist:
„Über acht Jahre verschiebt sich die Edumail von der Frage ‚Was kann ich mit diesem Tool machen?‘ hin zu ‚In welcher Gesellschaft wollen wir leben — und wie gestalten wir Bildung dafür?‘ — bei durchgehend gleicher Grundüberzeugung: Bildung wird für alle besser, wenn man sie teilt.“
Mein Fazit
Zum Teil ist solch eine ‚Selbstbespiegelung‘ mit KI sicherlich eine Spielerei – vor allem, weil es so niederschwellig funktioniert, sich Grafiken und mehr dazu generieren zu lassen. Zugleich steckt in dieser Möglichkeit aus meiner Sicht aber auch viel Lernpotential. Denn indem ich mir spiegeln lasse, was und wie ich schreibe, kann ich das dann zugleich besser für mich reflektieren.
KI als Spiegel zu nutzen, will dabei gut gelernt sein. Denn damit einem der Spiegel weiterhilft, ist es entscheidend für sich zu überlegen, was genau man sich den analysieren und darstellen lassen will. Ich kann es sehr empfehlen, genau dazu zu experimentieren und zu lernen.
Wie immer gilt: Ich freue mich, auch von deinen Erfahrungen mit KI als Spiegel zu lesen.
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