KI-Experimente: Arbeit mit Design-Prompts – am Beispiel der Website kuratierung.de

Ein Screenshot der Website Kuratierung.de im Bauhaus-Stil

Kürzlich habe ich, weil ich es für einen Vortrag brauchte, die Website kuratierung.de online gestellt. Es ist ein kleines, offenes Webtool, was für mich und alle, die es nutzen wollen, die Funktion erfüllt, dass man dort mehrere Links eintragen kann und dann einen übergreifenden Link erhält, der alle Links als Sammlung zusammengestellt anzeigt.

Ich finde das in unterschiedlichen Kontexten hilfreich. Hier sind drei Beispiele:

  1. Im Vorfeld einer Veranstaltung möchte ich Lernenden ein paar Inspirationen zum Lesen anbieten. Dazu würde ich einfach ein paar Beiträge zusammensuchen, diese anteasern, dann als Sammlung anlegen und als einen Link teilen.
  2. Bei Online-Veranstaltungen werden oft viele Links im Chat geteilt. Diese lassen sich am Ende sichern, als Sammlung eintragen und für alle teilen.
  3. Bei Vorträgen kann ich ankündigen, dass alle Websites, die ich erwähne im Sinne von ‚Shownotes‘ am Ende geteilt werden. Dazu kann ich bereits im Vorfeld eine Sammlung anlegen und diese dann auf meiner letzten Folie teilen.

Die Website kuratierung.de war in Interaktion mit Claude.Code und meinem ‚Easy Coding‘ Skill, den ich mir dazu entwickelt habe, recht schnell erstellt. Ursprünglich sah die Website so aus:

Screenshot der ursprünglichen Website

Dieses Aussehen war nicht überraschend, denn ich hatte festgelegt, dass ich das Pico.CSS nutzen will und auch das Farbmuster entsprechend definiert. Grundsätzlich mag ich solch einen minimalistischen Stil auch sehr gerne.

Nun bin ich gestern Abend auf die Website Design Prompts gestoßen. Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von typischen Design-Mustern, die für KI-Interaktion aufbereitet sind. Ich kann mir dort also einen bestimmten Stil aussuchen und mir dann einen Prompt kopieren, in dem dieser Stil für ein KI-Modell sehr detailliert beschrieben wird.

Ich wollte das gerne ausprobieren – und die angelegte Kuratierungsseite erschien mir dazu ein gutes Experimentierfeld. Ausgewählt habe ich den Bauhaus-Stil. Meine Interaktion war dann nur noch, den entsprechenden Ordner mit den Dateien für das Mini-Tool anzusteuern – und dann im KI-Chat dazu aufzufordern:

Hier ist ein Design Prompt. Passe diese Website entsprechend an.

Das klappte tatsächlich ohne weitere Nachbesserungen von meiner Seite. Hier kannst du dir das Ergebnis anschauen (und das Tool gerne für dich nutzen):

Warum teile ich das?

Ich finde es erstens hilfreich, solche Experimente festzuhalten und zu dokumentieren. Als eine Person, die sehr viel Inhalte ins Internet stellt und sehr wenig Ahnung von Design hat, finde ich die Möglichkeit solcher Design Prompts erst einmal ziemlich faszinierend. Früher war mein Weg, dass ich vorgefertigte Templates nutzte, z.B. die Angebote von HTML5Up. Jetzt gibt es tatsächlich sehr vielfältigere und in der Anwendung auch einfachere Optionen.

Zweitens finde ich die Möglichkeit von Design Prompts im Kontext von Open Educational Resources sehr spannend. OER sind ja offen lizenzierte Bildungsmaterialien, die somit frei angepasst und weiter genutzt werden können. Mit Design Prompts ergibt sich nun auch sehr stark die Möglichkeit, solch einen Remix sehr grundlegend mithilfe von vorab angelegten Mustern anzugehen.

Solche Muster können erstens wie hier dargestellt ‚Design Prompts‘ sein. Es ließen sich auf diese Weise Design Prompts z.B. für unterschiedliche Moodle-Kurse erstellen und diese dann jeweils anwenden. Oder auch für ein bestimmtes Foliendesign oder eben auch für Mini-Tools zum Lernen.

Ganz genauso kann man die Idee von Design Prompts aber ja auch weiter spinnen und in Richtung der methodischen Gestaltung denken. Das wären dann ‚Meta-Prompts‘ im Sinne von ‚Lernangebot mit Inspirationen‘, ‚austauschorientiertes Lernangebot‘ und vieles mehr. Auch dazu ließen sich dann bestimmte Muster identifizieren und festlegen. Und auf diese Weise dann in veränderter Art und Weise Online-Räume entwickeln.

Für die OER-Debatte verschiebt sich der Fokus damit in doppelter Hinsicht:

  1. Die eigentlichen Inhalte, der Kern eines Materials, werden deutlich wichtiger. Es ist dann in der Perspektive von Weiternutzung hilfreich, wenn ich selbst und auch andere möglichst gut damit ihre jeweils eigenen Materialien erstellen können. Das erinnert an die Diskussion um „Markdown first“ in der OER-Community: Wenn der Kern wirklich gut strukturiert und zugänglich ist, können daraus verschiedenste Formate entstehen. Design Prompts wären dann sozusagen die „Übersetzungsschicht“ zwischen Inhalt und konkreter Umsetzung.
  2. Die Meta-Ebene der Materialien im Sinne von remixbaren Mustern wird wichtiger: wie dargestellt sehr naheliegend auf der Ebene des Designs, aber vielleicht ja ganz genauso auch auf methodischer Gestaltungsebene. Ich fände es sehr spannend, dazu weiter zu experimentieren! Und grundsätzlich muss das ja auch gar nicht in Richtung Effizienz und langweiliger Einheitsbrei gehen, sondern könnte ja auch eine Möglichkeit sein, über die Diskussion der dahinter liegenden Muster sogar deutlich bessere Sachen entwickeln zu können.

Ganz konkret ergibt sich für mich erst einmal die Herausforderung, bei meiner eigenen OER-Erstellung Weiternutzung in veränderter Form mitzudenken: Es geht viel mehr als bisher darum, dass nicht nur Menschen allein ein Material für sich nutzen und anpassen können. Sie werden das zugleich umso besser können, wenn ich das Material so gestalte, dass eine Anpassung und Weiternutzung mit KI-Interaktion gut gelingt. Vielleicht braucht es in diese Richtung einen neuen bzw. mindestens erweiterten und konkretisierten ‚Gold-Standard‘ für OER.

Fazit

Aktuell basiert KI-Technologie darauf, dass von Menschen und Communities erstellte Inhalte massenhaft eingesammelt und in große Monopole eingespeist werden. Das ist natürlich Mist und führt tendenziell dazu, dass die Menschen und Communities, die so etwas machen, deutlich schlechtere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit haben. Ich weiß nicht, ob es gelingen kann, dem etwas entgegen zu setzen. Wenn es aber möglich ist, dann sehe ich die OER-Community da in einer sehr relevanten Position, um gemeinsam auf veränderte Art und Weise Materialien zu gestalten, die uns allen besser noch als vorher die Möglichkeit bieten, sie für die Gestaltung von guten Lernräumen zu nutzen.


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