Die Abkürzung SDGs steht für Sustainable Development Goals und damit für die von den Vereinten Nationen festgelegten 17 Nachhaltigkeitsziele, die bis 2030 erreicht sein sollen. Diese Nachhaltigkeitsziele beinhalten inhaltliche Meilensteine wie beispielsweise die Umsetzung einer guten Bildung für alle, die Beendigung von Armut oder ein friedliches Zusammenleben aller Menschen. Weniger bekannt ist dagegen die Abkürzung der IDGs. Sie steht für Inner Development Goals. Die IDGs sind ergänzend zu den Nachhaltigkeitszielen und ausgehend von den skandinavischen Ländern in einer global-vernetzten Initiative entstanden. Sie nehmen in den Blick, welches innere Wachstum und damit auch welche Lernprozesse nötig sind, damit die Nachhaltigkeitsziele realisiert werden können.
Ich bin zurzeit Teil des deutschsprachigen Ambassador-Programms der IDGs und freue mich sehr darauf, zu diesem Thema in den nächsten Monaten mehr zu schreiben, zu arbeiten und vor allem auch selbst zu lernen. (Auf die IDGs bin ich über den Hinweis einer Abonnentin meiner Edumail gestoßen. Danke dafür!)
Was genau sind die IDGs?
Der Ausgangspunkt der IDGs war diese Frage:
Welche Fähigkeiten, Haltungen und Kompetenzen benötigen Menschen, damit die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erfolgreich erreicht werden können?
Zu dieser Frage fand eine große Befragung statt, deren Ergebnisse anschließend sortiert und geclustert wurden. Das Ergebnis ist ein Rahmen mit 5 Zieldimensionen, die jeweils mehrere Unterpunkte umfassen:
Dimension I: Sein
Um für eine nachhaltige Entwicklung ins Handeln zu kommen, müssen wir zuallererst selbst gestärkt sein, mit unseren Gefühlen gestaltend umgehen können und uns selbst als lernend begreifen. Zur Dimension des Seins gehören in diesem Sinne die folgenden Aspekte:
- Innerer Kompass
- Integrität und Authentizität
- Offenheit und Lernbereitschaft
- Selbsterkenntnis
- Gegenwärtigkeit (Presence)
Dimension II: Denken
Die zweite Dimension des Denkens zielt vor allem auf die kognitive Selbstentwicklung. Hierzu gehören die folgenden Aspekte:
- Kritisches Denken
- Bewusstsein für Komplexität
- Perspektivische Fähigkeiten
- Systemisches Denken
- Langfristige Orientierung & Visionsfähigkeit
- Kreativität
Dimension III: Beziehung
Auch wenn man es von der Bezeichnung ‚innere Entwicklungsziele‘ zunächst annehmen könnte, sind die IDGs kein individualistisches Konzept. Insbesondere in der dritten Dimension geht es darum, sich in Verbindung zu bringen mit anderen und mit der Welt. Die folgenden Aspekte werden in dieser Dimension benannt:
- Wertschätzung
- Verbundenheit
- Bescheidenheit
- Empathie
- Vergebung
Dimension IV: Zusammenarbeit
In der vierten Dimension geht es dann stärker um praktisches Handwerkszeug zur Zusammenarbeit mit anderen. Hierzu gehören die folgenden Aspekte:
- Beziehungsfähigkeit
- Inklusives und interkulturelles Mindset
- Fähigkeit zu Ko-Kreation
- Kommunikation
- Begeisterungsfähigkeit
Dimension V: Handeln
Schließlich legt die fünfte Dimension den Fokus darauf, gemeinsam mit anderen ins Handeln zu kommen. Dazu gehören die folgenden Aspekte:
- Mut
- Zuversicht
- Achtsame Ressourcennutzung
- Vorausplanendes Handeln
- Resilienz
Was ist spannend an den IDGs für die Bildung?
Die grundsätzliche Frage, die zur Entwicklung des Rahmens geführt hat, ist im Prinzip nichts anderes als die Herausforderung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Auch hier fragt man sich, wie Menschen dazu befähigt werden können, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Damit sind die IDGs ein pädagogisches Projekt.
Mich haben an der Initiative vor allem fünf Aspekte begeistert:
- Ich finde die einzelnen Dimensionen und Aspekte des IDGs-Frameworks insgesamt nicht neu, aber ich kenne bisher keinen anderen Rahmen, der über solch eine Prägnanz und zugleich Vollständigkeit verfügt. (Die 4K sind z.B. enthalten, aber implizit zugleich Orientierungen wie Agency)
- Sehr überzeugend finde ich vor allem die erste und die dritte Dimension, die mir bisher in vielen Bildungsdebatten zu kurz kommen. Sehr oft habe ich den Eindruck, dass wir weiterhin auf Ergebnisse des Lernens schauen, immer mehr erfreulicherweise auch auf den Prozess, aber viel zu wenig darauf, wo dieses Lernen denn eigentlich seinen Ursprung nimmt. Und das ist eben jeweils im ‚Sein‘ des einzelnen Menschen und seiner Beziehung zur Welt.
- Ich mag den global-vernetzten Ansatz der Initiative sehr. Es spielen hier meines Erachtens nach sehr viele unterschiedliche Weltauffassungen mit hinein (gerade auch viel aus eher kollektivistisch organisierten Kulturen), womit es weniger ein euro-zentristischer Ansatz erscheint, wie ich bei vielen anderen Bildungsleitbildern häufig den Eindruck habe.
- Ich finde die mit den IDGs verbundene Nachhaltigkeitszielstellung höchst relevant. Der Rahmen hat damit eine normativ-inhaltliche Grundlage, die in vielen anderen Konzepten aus meiner Sicht eher vage bleibt oder ganz fehlt.
- Die IDG-Community scheint mir, von dem was ich bisher mitbekommen habe, sehr aktiv zu sein. Auch der Rahmen ist nicht feststehend, sondern befindet sich in einer stetigen Weiterentwicklung. Das trägt für mich sehr zur Glaubwürdigkeit bei.
Mein Fazit: IDGs sind lohnend!
Ich finde die weitere Beschäftigung mit den IDGs sehr lohnend. Ein guter Ausgangspunkt kann dazu die Website InnerDevelopmentGoals.org sein.

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