HTML-Dateien für einfachen OER-Remix: eine unterschätzte Option?

Wie kommt es zu diesem Blogbeitrag?

Bei meinem Besuch in der letzten Woche an der Hamburger Open Online University habe ich mir unter den mehreren spannenden Projekten auch das erstellte Einführungsmodul ins Thema ‚Gender‘ angesehen. Meine Neugier war hier nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch aus technischer Perspektive geweckt, als ich anhand der URL sah, dass dieses Modul via Github Pages als einfache HTML Datei veröffentlicht ist. Auf Nachfragen erfuhr ich, dass zur Erstellung das Browser-Tool ‚Twine‘ genutzt wurde, erkundete dieses genauer, erstellte ein erstes Kurz-Tutorial dazu – und möchte in diesem Blogbeitrag darauf aufbauend einige grundsätzlichen Überlegungen für OER-Weiternutzung und Remix via einfachen HTML-Seiten zur Diskussion stellen. Das ist eine aus meiner Sicht bislang noch häufig unterschätzte Option.

Warum OER-Weiternutzung und Remix?

OER sind freie Bildungsmaterialien, die durch ihre offene Lizenz im Gegensatz zu proprietären Materialien beliebig genutzt und verbreitet – sowie eben auch weiter entwickelt, angepasst und mit anderen Materialien vermischt werden können. Aus pädagogischer Perspektive sind diese Optionen ziemlich großartig, denn sie ermöglichen die Erstellung von individualisierten, aktuellen und thematisch vielseitigen Materialien passend für die jeweils spezifische Lernsituation. Bislang handelt es sich dabei häufig aber leider nur um eine theoretische Möglichkeit. Bei Weiternutzung und Remix von OER in der Praxis gibt es noch viel Luft nach oben.

Technische Option: HTML-Datei

Um OER zu erstellen und weiter zu nutzen gibt es einige herausragende Tools und Angebote. Dazu gehört etwa die Software H5P zur Erstellung von interaktiven Materialien oder der Online-Arbeitsblatt-Editor ‚Tutory‘. Auch Slidewiki ist ein Projekt, das auf Weiternutzung und Remix setzt – hier speziell für Präsentationen.

Die technische Option einer einfachen HTML-Datei ist hier viel weniger spektakulär: eine HTML-Datei wird erstellt, im Netz veröffentlicht (steht somit direkt als Lern-Ressource zur Verfügung) und kann auch heruntergeladen, weiter bearbeitet und neu veröffentlicht werden. Diese Herangehensweise ersetzt nicht die anderen Angebote, sondern bietet einfach einen manchmal nützlichen anderen Fokus bzw. lässt sich auch mit den klassischen OER-Tools kombinieren.

OER via HTML: praktisch erklärt!

Der erste Schritt zur Erstellung eines OER via HTML ist die Erstellung einer einfachen HTML-Datei. Nutzbar sind dazu einfache Online-Tools wie z.B. Scratchpad.io oder Quackit (bei letzterem muss ich nicht selbst HTML schreiben, sondern nutze einen WYSIWYG-Editor).

Im zweiten Schritt wird die HTML-Datei gespeichert – und entweder auf dem eigenen Server gespeichert und direkt als Website zur Verfügung gestellt. Im Interesse einer OER-Weiternutzung und Remix empfiehlt sich ein Upload via eines kostenlosen Github-Accounts. Hier steht die Datei dann nicht nur anderen zum einfachen Download zur Verfügung. Zugleich können auch Vorschläge für Änderungen / Ergänzungen unterbreitet werden. Außerdem gibt es über die integrierten GithubPages die Möglichkeit, die HTML-Datei auch direkt als Website anzeigen zu lassen.

Bonus-Tool: Twine

Anstelle der oben erwähnten einfachen HTML-Editoren lässt sich auch das Tool Twine nutzen. Der große Vorteil ist, dass hier erstens komplexere HTML-Seiten mit Verlinkungen sehr einfach erstellt werden können, zweitens steht direkt eine HTML-Download-Möglichkeit zur Verfügung und drittens gibt es die Option von einfach gestaltbaren und separaten Stylesheets, was Weiternutzung einfacher machen kann. Dadurch lässt sich ein Material komplett kopieren – und dann mit dem eigenen Layout versehen neu veröffentlichen.

Was spricht für diese Option?

Aus meiner Sicht gibt es viele gute Gründe, um OER Weiternutzung und Remix durch die Erstellung und Verbreitung von OER in Form von einfachen HTML-Dateien auszuprobieren:

  • Man ist völlig unabhängig von irgend einem bestimmten Anbieter oder Tool – aber durch die Nutzung von HMTL anschlussfähig an so gut wie alles, was im Internet zur Verfügung steht.
  • Die Herangehensweise ist förderlich für Medienkompetenz, weil man nicht von vorne herein mit einer schicken Oberfläche konfrontiert ist, hinter die man nicht blicken kann, sondern selbst gestaltet und erstellt. Dies geschieht aber nicht in einer überfordernden Art und Weise: auch wer zu Beginn noch ohne HTML-Kenntnisse ist, kann mittels Ausprobieren und Erkunden direkt starten.
  • Die Methode steht Lehrenden und Lernenden gleichermaßen offen und verfügt über praktisch grenzenlose didaktische Möglichkeiten: Tutorials erstellen, Spiele gestalten, Präsentationen vorbereiten, gemeinsam Informationen recherchieren und zusammen stellen … eigentlich alles ist möglich!
  • Wer mag, kann nicht nur fertige Materialien erstellen, sondern auch Vorlagen zum Weiternutzen – und auf diese Weise auch methodische Ideen und Anregungen sowie Best Practive Unterrichtsbeispiele verbreiten.

Mehr Informationen und eine praktische Anleitung erhältst Du im Kurz-Tutorial zu Twine. Ich freue mich außerdem auf den anstehenden OERcamps in Hattingen und Hamburg über Austausch dazu.