Globales Lernen mit und durch OER

Veröffentlicht am 15.8.2018

OER ist eine Abkürzung die vielen unbekannt ist. Und was sich hinter dem Konzept des Globalen Lernens/ BNE verbirgt, ist für viele ebenso unklar. Und nun soll es also auch noch um eine Verknüpfung dieser beiden Konzepte gehen. Warum?

OER steht für Open Educational Resources. Es handelt sich dabei um Bildungsmaterialien, die offen lizenziert sind und die deshalb - anders als proprietäre Materialien, die in den engen Schranken des Urheberrechts gefangen sind – umfassend weiter genutzt werden können. Beispielsweise ist es möglich, sie auf eine bestimmte Bildungssituation anzupassen, verschiedene Materialien miteinander zu kombinieren und vor allem sie ohne Beschränkungen zu veröffentlichen und zu verbreiten.

Das Konzept des globalen Lernens (oft mit dem Zusatz BNE – Bildung für eine nachhaltige Entwicklung) ist in der Mastrichter Erklärung des europaweiten Bildungskongresses zum globalen Lernen gut definiert als:

„…Bildungsarbeit, die den Blick und das Verständnis der Menschen für die Realitäten der Welt schärft und sie zum Einsatz für eine gerechtere, ausgewogenere Welt mit Menschenrechten für alle aufrüttelt. Globales Lernen umfasst entwicklungspolitische Bildungsarbeit, Menschenrechtserziehung, Nachhaltigkeitserziehung, Bildungsarbeit für Frieden und Konfliktprävention sowie interkulturelle Erziehung, also die globalen Dimensionen der staatsbürgerlichen Bildung.“

Wie gut sich das Konzept des globalen Lernens mithilfe von OER zur Umsetzung bringen lässt und wie sehr sich die beiden Konzepte gegenseitig bereichern können, wird deutlich, wenn man einen Blick in den ‚Orientierungsrahmen für den Lernbereich globale Entwicklung‘ wirft. Dieser ist das grundlegende Dokument und zugleich Handlungsanleitung für das globale Lernen in der Schule. Er ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Verantwortlich für die Organisation und Durchführung des Projekts ist Engagement Global.

Als Ziel des globalen Lernens ist darin definiert:

„Kompetenzen zu erwerben für eine zukunftsfähige Gestaltung des privaten und beruflichen Lebens, für die Mitwirkung in der Gesellschaft und die Mitverantwortung im globalen Rahmen.“

Wer im Kontext von OER oder im Rahmen der Digitalisierungsdebatte für eine ‚zeitgemäße Bildung‘ plädiert, der wird diese Zielstellung sicherlich unterschreiben – und sich über die konkrete inhaltliche Orientierung freuen, die in den ansonsten oft doch recht abstrakten Debatten fehlt.

Gleiches gilt für die anschließend im Orientierungsrahmen skizzierten Kernkompetenzen des globalen Lernens: Erkennen, Bewerten und Handeln. Deutlich werden hier die Ideen einer offenen Bildungspraxis, die viele sich als Potential von OER erhoffen: eine kollaborative und projektorientierte Bildung, die Lernenden eine verantwortungsvolle Rolle im Lernprozess zuspricht.

Ich finde vor diesem Hintergrund: Gemeinsam können beide Konzepte noch mehr Schlagkraft entfalten: OER sind aus meiner Sicht das bestmögliche Format für Bildungsmaterialien für das Globale Lernen. Und das Konzept des globalen Lernens kann für OER-Projekte eine spannende inhaltliche Fundierung/ Bereicherung darstellen.

Wer Lust bekommen hat, mehr zu erfahren, dem empfehle ich …

Für Engagement Global erstelle ich aktuell ein Konzept für Multiplikator*Innenschulungen, die das Ziel haben, beide Konzepte miteinander zu verknüpfen und in diesem Sinne ‚Globales Lernen mit und durch OER‘ praktisch zur Umsetzung zu bringen. Es ist geplant, dieses Konzept als OER zu veröffentlichen. Informationen dazu werde ich dann hier ergänzen.

Abschließender Tipp für Fortbildungen:

In der Mappe ‚Methoden für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit‘ wird unter anderem eine Abwandlung des Spiels ‚5 gewinnt‘ als Einstieg in Fortbildungen zum globalen Lernen vorgeschlagen. Dieses eignet sich ebenso für Fortbildungen zu OER. (Genauso wie auch für kombinierte Fortbildungen für beide Themen)

Die Teilnehmenden werden für das Spiel in zwei Gruppen eingeteilt. Die Gruppen sollen abwechselnd ihr Zeichen – Kreuz oder Kreis – in ein Raster mit 5 Feldern setzen. Für jede Linie (waagrecht, senkrecht oder diagonal) die vollständig mit einem der beiden Zeichen markiert ist, erhält die jeweilige Gruppe eine Tafel Schokolade.

Das wahrscheinliche Ergebnis ist, dass die beiden Gruppen gegeneinander spielen und niemand Schokolade bekommt. Würde man dagegen gemeinsam spielen, könnten 5 Schokoladentafeln verdient und anschließend untereinander geteilt werden …

Das Spiel ist schnell und weitgehend ohne Vorbereitung gespielt und sorgt – wahrscheinlich gerade wegen der Einfachheit – erfahrungsgemäß für den gewünschten ‚Aha‘-Effekt bei den Teilnehmenden: Man kann oft mehr erreichen, wenn man kooperiert, statt konkurriert! In diesem Sinne kann Bildung für alle besser werden, wenn man Materialien teilt, statt für sich behält. Und genau das ist die zentrale Idee von OER …

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