Fünf methodische Ideen für gute interaktive Lernsettings mit H5P

Veröffentlicht am 18.6.2018

Auf allen OERcamps in diesem Jahr, insbesondere aber am letzten Wochenende in Hamburg,hat H5P eine große Rolle gespielt. Ein Fokus unserer Diskussionen in Hamburg lag auf der Frage: Wie kann H5P didaktisch sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden? In diesem Blogbeitrag fasse ich die gesammelten Ideen und Überlegungen zusammen.

1. Selbstorganisierte Überprüfung/ Wiederholung des Gelernten

Interaktive Lernsettings können das selbstorganisierte Lernen unterstützen. Sie bieten Lernenden die Möglichkeit, Gelerntes zu wiederholen und auf diese Weise zu festigen sowie den Lernfortschritt eigenständig zu überprüfen. Dabei ist völlig klar, dass mit einer Abfrage nach bestimmten Fakten oder Wissensbeständen noch keine Handlungskompetenz einhergeht, aber die automatisierten Rückmeldungen helfen bei der Einschätzung, ob z.B. ein gelesener Text oder wichtige Aspekte eines bestimmten Themas verstanden wurden.

Für die Erstellung solcher ‚Zwischentests‘ eignen sich so gut wie alle Inhaltstypen von H5P. Besonders gut geeignet ist der Inhaltstyp ‚Quiz‘, der mehrere Frageformate zusammenfasst.

2. Gestaltung von Lernwegen/ Stationen-Lernen

Interaktive Lernsettings sind nicht nur zum ‚Abfragen‘ geeignet, sondern können auch dazu dienen, Lernwege zu strukturieren und Lernenden auf diese Weise zur Verfügung zu stellen. Ein Beispiel wäre der Aufbau eines ‚Multiple Choice-Quizzes‘ in Form von einer Aneinanderreihung von einzelnen Schritten im Rahmen einer bestimmten Aufgabe. Die Multiple Choice Auswahl beinhaltet dann zum einen eine Unterstützungsanforderung nach weiteren Infos, die dann auf Klick zur Verfügung gestellt werden – oder das Abhaken der jeweiligen Aufgabe als ‚erledigt‘ - womit dann zur nächsten Aufgabe weiter geleitet wird.

Auch für Lernwege eignen sich mehrere H5P-Inhaltstypen. Neben den klassischen Quiz/ Multiple Choice Aufgaben z.B. auch interaktive Videos, bei denen bestimmte Teile übersprungen oder wiederholt werden können. Wer nicht-lineare Lernwege zur Verfügung stellen will, kann z.B. den Inhaltstyp ‚Image Hotspot‘ nutzen, bei dem auf einen Blick mehrere Lernanlässe aufgerufen werden können. Oder - für die Gestaltung einer Lerneinheit inklusive Informationstext/ Bilder - der Inhaltstyp ‘Column’.

3. ‚Blended Learning‘-Lernwerkstatt

Interaktive Lernsettings können wunderbar mit erkundendem Lernen kombiniert werden. Beispielsweise können im naturwissenschaftlichen Bereich analoge Experimente durchgeführt werden; im digitalen interaktiven Lernsetting wird dann das jeweilige Ergebnis ausgewählt und eine Rückmeldung dazu zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang gibt es auch ein großes Potential für kollaboratives Letrnen, da die Experimentier- und Erkundungsphase in Gruppen durchgeführt werden kann.

Für die Blended Learning Lernwerkstatt eignen sich unter anderem das Quiz-Tool gut. Auch das ‚Summary-Tool‘ kann eingesetzt werden. Hierbei wird jeweils eine Option ausgewählt; am Ende hat man sich eine Zusammenfassung des gesamten Experiments erarbeitet.

4. Konzeption und Planung von Lernvorhaben

Interaktive Lernsettings können auch dazu genutzt werden, um Lernende dabei zu unterstützen, ein bestimmtes Lernvorhaben zu konzipieren und zu planen. Unter anderem kann auf diese Weise im Deutsch- oder Gemeinschaftskundeunterricht beim Erstellen einer Gliederung für eine Eröterung unterstützt werden oder eine Gruppe von Lernenden könnte sich gemeinsam einen Plan für ein bestimmtes Lernprojekt entwickeln.

Ein dazu passender (und aus meiner Sicht in den Möglichkeiten bislang noch unterschätzter) Inhaltstyp ist das ‚Documentation Tool‘. In der Ursprungsversion steht es als Projektplanungs-Tool zur Verfügung. Die einzelnen Schritte und Fragen können aber beliebig angepasst werden. Ich habe es z.B. vor einiger Zeit als Planungstool bei der Konzeption von Bildungsprojekten im zivilgesellschaftlichen Bereich veröffentlicht.

Lernen durch Lehren

H5P-Inhalte können natürlich auch nicht nur durch Lehrende, sondern auch durch Lernende selbst erstellt werden. Die Ergebnisse können dann z.B. Mitlernenden zur Verfügung gestellt werden. Diese Idee basiert auf der Theorie des ‚Lernen durch Lehren‘: wer etwas anderen erklärt, versteht es selbst auch umso besser. Gerade mit jüngeren Lernenden ist es bei dieser Methode empfehlenswert, bei den ersten Gestaltungsversuchen eine konkrete Vorgabe zum zu verwendenden Inhaltstyp zu machen (z.B. Gestaltet einen Zeitstrahl zu den aus Eurer Sicht wichtigsten Ereignissen der Französischen Revolution).

+ Bonus-Idee: Technik-Mitgestaltung

H5P ist eine Open Source Software, die als solche nicht nur allen offen zur Verfügung steht, sondern auch durch alle mitgestaltet werden kann. Eine einfache Option, um im Unterricht in diesem Sinne aktiv zu werden, wäre eine Übersetzung von bestimmten Bestandteilen der Software im Fremdsprachenunterricht, das Melden von aufgetretenen Fehlern bei der Nutzung oder die Weitergabe von Ideen für neue Inhaltstypen. Im Informatikunterricht mit älteren Schülerinnen und Schülern könnte durchaus auch eine eigene Programmierung eines Inhaltstyps als Projekt durchgeführt werden. Vor diesem Hintergrund kann in der Schule ganz praktisch erfahrbar gemacht werden, dass und wie man sich in die Gestaltung von Open Source Projekten einbringen kann. Das eigene Tun an der Schule erfährt Reichweite und Wirkung.

Mein Fazit

Interaktivität (selbst wenn es sich um ein simples Multiple Choice Tool handelt) kann viel mehr als stupides Wissensabfragen in behavioristischer Tradition. Vielen Dank an alle Teilgebenden beim OERcamp in Hamburg!

Update

Via Twitter haben mich zwei weitere interessante Links erreicht, die ich hier gerne mit aufnehme: erstens eine Anwendungsmöglichkeit für den Essay-Inhaltstyp. Zweitens eine Anwendungsmöglichkeit für MC Fragen im mathematischen Bereich (‘diagnostic question’)

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