Methoden-Ideen mit der Etherpad-Farbmarkierung

Veröffentlicht am 15.7.2019

Zu den wahrscheinlich mit am vielseitigsten einsetzbaren Tools einer digital-unterstützten Bildung gehört das ‘Etherpad’. Es handelt sich dabei, um eine Open Source Software, mithilfe derer sich sehr einfach beschreibbare Webseiten erstellen lassen. Jedes erstellte Pad verfügt dazu über eine spezifische URL, die mit anderen geteilt werden kann. Auf diese Weise können mehrere zeitgleich ein Pad öffnen und synchron und kollaborativ an Texten schreiben.

Etherpads beinhalten einige nützliche Zusatz-Funktionen: Unter anderem kann ein Chat eingeblendet werden, über den eine weitere Ebene des Austauschs möglich ist, man kann sich frühere Versionen eines Pads anzeigen und es lässt sich mittels einer Farbmarkierung anzeigen, von wem was geschrieben wird. Insbesondere in der letzten Möglichkeit steckt aus meiner Sicht viel Potential für die Umsetzung von Kreativitätsmethoden.

Wie funktioniert die Farbmarkierung im Etherpad?

Rechts oben im Etherpad wird angezeigt, wieviele Personen aktuell im Pad aktiv sind. Wenn man auf das Personensymbol klickt, öffnet sich eine Liste, in der man den eigenen Namen eintragen und aus einer Farbpalette eine beliebige Farbe für sich selbst auswählen kann. Außerdem kann man sehen, welche weitere Namen mit welchen Farben eingetragen sind. Sobald man etwas schreibt, wird der Text farblich mit der selbst gewählten Farbe hinterlegt. Auf diese Weise ist nachvollziehbar, von wem welche Eintragungen und Änderungen im Pad stammen. In den Einstellungen kann festgelegt werden, ob man sich den Text mit der farblichen Hinterlegung oder ohne anzeigen lassen will.

Wie lässt sich die Farbmarkierung für Kreativitätsmethoden nutzen?

Wie oben erklärt, ist die Möglichkeit zur Farbmarkierung im Etherpad grundsätzlich dazu gedacht, dass die vorgenommenen Aktivitäten im Pad einer bestimmten Person zugeordnet werden können. Alternativ lassen sich mit den Farben auch bestimmte Rollen festlegen, in denen agiert werden soll. Ich habe zum Beispiel gute Erfahrungen damit gemacht, zu Beginn einer Etherpad-Nutzung, wenn das kollaborative Schreiben für alle Beteiligten noch ungewohnt ist, Aufgaben-Rollen zu vergeben:

Solch eine Aufgaben-Rolle erleichtert es erfahrungsgemäß allen, sich aktiv im Pad zu beteiligen und senkt z.B. auch die Hürden, an den Texten von anderen Änderungen vorzunehmen. Npch besser dürfte diese Rollen-Zuteilung funktionieren, wenn die zugeteilte Rolle auch im Etherpad farblich markiert wird. Dazu lässt sich die beschriebene Farbmarkierung nutzen. Anstatt dann den eigenen Namen einzutragen und eine beliebige Farbe zu wählen, würden alle stattdessen die erhaltene Aufgaben-Rolle eintragen - und eine für diese Rolle vorab festelegte und kommunizierte Farbe wählen.

Für solch eine Farbmarkierungs-Nutzung für Rollen gibt es zahlreiche weitere methodische Möglichkeiten. Mir gefällt damit insbesondere die Übertragung der Kreativitätsmethode der 6 Denkhüte von Edward de Bono auf das Schreiben im Etherpad. Diese Methode zielt darauf ab, ein Problem aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten - und zugleich Verständnis zu wecken für unterschiedliche Denkweisen. Die Methode trägt den Begriff ‘6 Denkhüte’, weil in der ursprünglichen Form der Methode 6 Hüte in unterschiedlichen Farben an sechs Personen aus einer Lerngruppe verteilt werden, In einer dann folgenden Diskussion/ Gespräch/ Brainstorming sollen die Beteiligten je nach der Farbe ihres jeweiligen Hutes agieren. Die sechs Farben sind:

Bei der Übertragung auf Etherpad würden diese Rollen ‘schreibend’ erlebt. Wie auch bei der Original-Methode der Hüte ist sicher gestellt, dass das jeweils behandelte Problem aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird. Alle Beteiligten könnten durch die farbliche Markierung von Beiträgen nachvollziehen, aus welcher Perspektive ein Beitrag geschrieben wird - und ihn entsprechend einordnen.

Genutzt werden kann außerdem das Ausblenden der Farbmarkierung. Zum Beispiel könnte nachträglich auf ein Pad mit ausgeblendeter Farbmarkierung geblickt und reflektiert werden, welches Argument wohl von welcher Perspektive aus geschrieben wurde. Erlernt wird so nicht nur die Bearbeitung eines Problems aus unterschiedlichen Perspektiven, sondern zugleich Perspektivwechsel und Empathie.

Wer Gefallen an Rollenzuteilung über Farbmarkierungen findet, kann auch klassische Rollenspiele auf diese Weise abbilden:

Auch in all diesen Fällen nehmen erstens alle Beteiligten eine bestimmte Rolle ein, können zweitens nachvollziehen, wer in welcher Rolle agiert und üben sich drittens kollaborativ schreibend an einer gemeinsamen Fragestellung.

Fazit: Ausprobieren!

Offen nutzbare Etherpad-Installationen gibt es unter anderem von der ZUM, über das Unserpad oder von Yourpart. Die technische Umsetzung ist damt völlig unkompliziert. Spannend ist die Festlegung der Rollen und des Themas - und dann vor allem der Prozess des kollaborativen Schreibens mit den unterschiedlichen Rollen.

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