Einordnung und Nutzung von KI in der Bildung

In der vergangenen Woche war das Internet voll von Screenshots der Software ChatGPT, der es mithilfe des Einsatzes ‚künstlicher Intelligenz‘ auf oft sehr faszinierende Weise gelingt, Antworten auf gestellte Fragen zu liefern. Auch im Bildungskontext wurde diese Entwicklung viel diskutiert. Allgemein war die Einschätzung, dass das Tool durchaus passable Ergebnisse zu häufig in der Schule gestellten Aufgaben liefern kann. Wie lässt sich damit pädagogisch umgehen?

Mein Vorschlag: Werkzeuge so genannter künstlicher Intelligenz können in der Bildung am besten als Weiterentwicklung von Suchmaschinen eingeordnet werden.

Warum? Dafür sprechen aus meiner Sicht zwei Gründe:

  1. Eine Einordnung als weiterentwickelte Suchmaschine unterstützt eine nüchterne, entmystifizierte Betrachtung (= es sind menschengemachte Inhalte, die über eine von Menschen programmierte Software auffindbar und darstellbar gemacht wurden). Auf diese Weise wird Gestaltbarkeit von Technik gezeigt, was für eine mündige Mediennutzung zentral ist.
  2. Wenn solche Tools als Suchmaschine eingeordnet werden, muss das Rad beim Umgang damit nicht neu erfunden werden. Stattdessen kann auf pädagogischen Ansätzen aufgebaut werden, die auch früher schon bei der Nutzung von Suchmaschinen angewandt wurden: Welche Suchbegriffe gebe ich ein? Wie bewerte ich erhaltene Suchbegriffe? Wie finde ich Perspektiven, die mir nicht direkt angezeigt werden? Wie wähle ich gute Suchergebnisse aus und wie verwende ich sie?

Die Nutzung von Werkzeugen wie ChatGPT wird damit in solchen Lernkontexten nur eine kleine Veränderung darstellen, die auch zuvor schon, Möglichkeiten wie Recherche oder andere Nutzungsmöglichkeiten des Internets als selbstverständlichen Bestandteil in das Lernen integriert hatten. Es kommt dort dann nicht zu einer grundlegenden Veränderung.

Wo bisher das Internet und seine Nutzung zum Lernen mehr oder weniger ausgeschlossen war, wird mit solchen Werkzeugen nun erneut deutlich, dass solch ein Ausschluss wenig zielführend ist für gute Bildung in einer vernetzten Welt. Das war aber auch schon vor Tools wie ChatGPT nicht anders.

Mein Wunsch bei Tools wie ChatGPT ist, dass wir pädagogisch die Fragen, die wir auch bei klassischen Suchmaschinen zu wenig im Blick hatten, nun stärker in den Fokus stellen. Dazu gehören Fragen wie: Welche Datensätze werden dem Tool zur Verfügung gestellt und wer entscheidet darüber? Inwieweit werden bestehende Fehlentwicklungen wie z.B. Diskriminierungen verfestigt anstatt korrigiert? Wie ermächtigen wir auch bildungsbenachteiligte Lernende zur Nutzung solcher Tools?

PS. Ich habe diesen Beitrag leicht gekürzt auch im Fediverse zur Diskussion gestellt. Er kann dort gerne diskutiert werden.

Update: Wer ChatGPT als Suchmaschine einordnet, trägt auch deshalb zur Entmystifizierung von KI bei, weil anstelle ausformulierter, persönlicher Chat-Nachrichten Suchanfragen zur Arbeit mit dem Tool eingegeben werden können. (Beispiel: Statt ‚Schreibe mir bitte 20 möglichst kreative Neujahrsvorsätze auf‘ wäre die Suchanfrage: ’20 möglichst kreative Neujahrsvorsätze‘)

Beitragsbild: Wissen zu finden, ist mit ChatGPT nochmals einfacher geworden als früher. (Bildnachweis: „045790:Temporary Lending Library Central Library New Bridge Street Newcastle upon Tyne Unknown 1949“ by Newcastle Libraries is marked with Public Domain Mark 1.0.)


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