Drei Ansätze zur Finanzierung zeitgemäßer Bildung

Philippe Wampfler hat gestern in seinem Blog einige ‚Bemerkungen zum Workshop-Markt‘ veröffentlicht und darin unter anderem die Frage aufgeworfen: „Wie schaffen wir es, dass Leute, die sich engagieren, gute Leistung bringen und andere voranbringen, auch fair entschädigt werden?“ An dieser Frage möchte ich im vorliegenden Blogbeitrag gerne weiter denken. Spannend finde ich daran nicht nur die individuelle Perspektive von freiberuflich Tätigen im Bildungsbereich (mich selbst eingeschlossen!), sondern vor allem auch die gesamtgesellschaftliche Frage nach der Finanzierung für zeitgemäße Bildungsaktivitäten (über das institutionalisierte Bildungssystem hinaus), die Kooperation, Teilen und Innovation ermöglicht.

Eine persönliche Beschreibung

Um das Thema greifbar zu machen, möchte ich meine persönliche Situation als freiberuflich tätige Person mit der Initiative des eBildungslabor schildern. Für mich sind meine Aktivitäten im eBildungslabor nie einfach nur ein Job, sondern immer Bestandteil für eine gute Sache, d.h. dem Einsatz für und der Verbreitung von zeitgemäßer Bildung. Mit dieser Einstellung bin ich nicht allein. Eigentlich alle mir bekannten und aktive Menschen im Bildungsbereich, stecken jede Menge Herzblut hinein (und auch jede Menge ihrer ansonsten freien Zeit).

Allerdings muss ich mich – ebenso wie andere Freiberufler auch - bei meinem Engagement nicht nur fragen, wie viel von meiner Freizeit ich für dieses Engagement nutze, sondern auch, wie ich das Verhältnis zwischen bezahlter Arbeit und Engagement während meiner Arbeitszeit gestalte. Und - das ist vor allem im Kontext von offener und zeitgemäßer Bildung relevant – macht es mir mein Engagement tendenziell schwieriger, klassische Aufträge zu akquirieren. Praktisches Beispiel: Warum sollte mich jemand einladen für eine Einführung ins Thema H5P, wenn ich auch einen kostenfreien Online-Kurs dazu zur Verfügung stelle? Oder warum sollte er eine Beratung von mir in Auftrag geben, wenn ich Erfahrungswissen sehr gerne auch einfach in der Barcamp Kaffeepause weitergebe?

Für mich wird daran deutlich: Das klassische Auftraggeber/ Auftragnehmer Modell scheint für zeitgemäße und offene Bildung nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zu passen. Und eben weil ich zeitgemäße und offene Bildung großartig finde und eher noch viel mehr ausweiten, als wieder einschränken will, finde ich einen Austausch über und eine Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten hierfür wichtig.

Was tun? Erste Ideen zum Weiterdenken!

1. Bewusstsein schaffen für ein Geschäftsmodell des Teilens

Anfang April hat Sebastiaan ter Burg im Creative Commons Blog den wunderbaren Artikel ‚It’s a Business Model Based on Sharing‘ veröfentlicht. Er beschreibt darin seine Herangehensweise als Fotograf, bei bezahlten Aufträgen immer mit zu verhandeln, dass seine für einen bestimmten Kunden fotografierten Motive anschließend für alle unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. Die bezahlte Arbeit hat damit eine deutlich größere Wirkung – im Interesse von allen! Dieses Geschäftsmodell des Teilens lässt sich aus meiner Sicht gut auf den Bereich der zeitgemäßen Bildung übertragen. Für das eBildungslabor habe ich in der Selbstbeschreibung z.B. formuliert: ‚Mit der Beauftragung des eBildungslabor als Dienstleister ermöglichen Sie die Aktivitäten als Impulsgeber - und leisten so einen Beitrag zu zeitgemäßer Bildung auch über den konkreten Auftrag hinaus.‘ Damit dieses Geschäftsmodell funktioniert, braucht es allerdings noch viel mehr Bewusstsein darüber, dass Teilen von Wissen, von Materialien und von Kompetenzen gesamtgesellschaftlich gesehen gut für alle ist. Dazu können wir alle beitragen!

2. Ein Blick in die USA: ‚Patenschaften‘ für Entwickler

Ich bin ein großer Fan der offen verfügbaren Online-Simulationen von Nicky Case aus den USA. Die Entwicklung dieser Simulationen wird unter anderem über die Plattform Patreon finanziert. Es handelt sich dabei um eine Art Patenschafts-Programm für Hacker*innen und andere Kreative, die sich auf der Plattform vorstellen und um Patinnen und Paten werben. Nicky Case kommt auf diese Weise aktuell auf ein monatliches Budget von über 3.000 Dollar.

In einem deutlich kleineren Umfang wird bei uns ein ähnliches Modell beim Medienpädagogik Praxisblog versucht. Patinnen und Paten sollen hier mindestens die Serverkosten und weitere fixe Ausgaben decken helfen.

Ähnlicher noch zu Patreon – nur in einem anderen Bereich - sind die Patenschaften, die die Bewegungsstiftung für Aktive in den sozialen Bewegungen organisiert. In der Beschreibung des Programms heißt es:
‚Für den Erfolg sozialer Bewegungen sind VollzeitaktivistInnen von großer Bedeutung. In ihrem langjährigen Engagement bauen sie Erfahrungen und Kompetenzen auf, die für die politische Arbeit unschätzbar wertvoll sind. Doch wer Vollzeit und unbezahlt in Bewegungen aktiv ist, kann nicht gleichzeitig einer normalen Erwerbstätigkeit nachgehen. Deshalb hat sich die Bewegungsstiftung das BewegungsarbeiterInnen-Programm ausgedacht. Indem sie die Bewegungsarbeit zu ihrem Beruf machen, bilden sie das Rückgrat der Protestbewegungen in Zeiten der Flaute und helfen Menschen sich zu engagieren, wenn sich ein politisches Thema zuspitzt und sie deshalb aktiv werden wollen.‘

Wäre solch ein Modell vielleicht auch denkbar für zeitgemäße Bildung? In jedem Fall lohnt es sich aus meiner Sicht, weiter darüber nachzudenken und vielleicht auch mit Stiftungen darüber ins Gespräch zu kommen..

3. Offene Förderprogramme für zeitgemäße Bildung

Mit dem Prototype Fund gibt es seit gut einem Jahr ein großartiges Förderprogramm für Open Source Software. Softwareentwickler*innen, Hacker*innen und Kreative werden mit diesem Programm sehr unkompliziert dabei unterstützt, ihre Ideen im Bereich von Software als Open Source Lösungen zur Umsetzung zu bringen. Das Besondere am Prototype Fund ist dabei die gezielte Ansprache von kreativen Einzelpersonen und eine sehr niedrigschwellige Beantragung von Fördermitteln. Ein solches Förderprogramm für zeitgemäße Bildung könnte einiges bewirken und ermöglichen. Umfassen sollte es nicht nur den Bereich des EduHacking, sondern z.B. auch für die Konzeption und Realisierung von offenen Online-Kursen, von zeitgemäßen Unterrichtsmaterialien oder von Social Media und Blogging-Projekte. Für zeitgemäße Bildungsaktivitäten wäre das ein großer Gewinn!

Was ist Deine Meinung zu diesem Thema? Hast Du weitere Ideen bzw. Lust gemeinsam aktiv zu werden? Melde Dich gerne – z.B. via Twitter oder Mail.