Design Thinking zum Nachmachen

In diesem Blogbeitrag nutze ich die gestrige 'Edutech Meets School' Veranstaltung der Technologie-Stiftung in Berlin als Beispiel, um den Design Thinking Ansatz vorzustellen und zum Nachmachen aufzubereiten. Meine Einschätzung vorab: ich halte Design Thinking gerade nach der gestrigen Erfahrung für einen lohnenswerten Ansatz zum Ausprobieren z.B. im Rahmen von Schulentwicklungsprozessen.

Was ist Design Thinking?

Design Thinking ist ein Ansatz, der zur Entwicklung von Lösungen für gemeinsam erkannte Herausforderungen gedacht ist. Dafür werden Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen in einem kreativen und anregenden Umfeld zusammen gebracht, um gemeinsam an Ideen zu spinnen und erste Prototypen als Lösung zu entwickeln. Kurz charakterisieren kann man Design Thinking auch mithilfe der 'Regeln', die (in dieser oder ähnlicher Form) vereinbart werden können:

  • Wir sind per Du und arbeiten ohne Hierarchien.
  • Wir bringen alle unsere jeweiligen Kompetenzen und Erfahrungen ein.
  • Wir nutzen die uns zur Verfügung stehenden Materialien zur Ideen-Entwicklung, Proto-Typing und Visualisierung.
  • Je mehr uns einfällt, desto besser. Verwerfen können wir unsere Ideen später immer noch.
  • Wir halten uns an die jeweils vorgegebenen Zeiten und Aufgaben.
  • Unsere Ideen und Ergebnisse stehen anschließend allen zur Verfügung.
  • Wir entwickeln unsere Ideen mit Spaß und Offenheit!

Bei der Veranstaltung Edutech Meets School waren Akteure von Schulen, aus der OER-Community und von Edutech-Startups vertreten, um Lösungen für die Herausforderungen von Schulen in der digitalen Transformation zu entwickeln. Als Ort war ein Berliner Coworking-Space gewählt, der ausreichend Platz sowohl für Kleingruppenarbeit als auch für Plenumsphasen bot. Außerdem war Moderationsmaterial (Papier, Karteikarten, Klebepunkte, Stifte), Pinnwände und Whiteboards sowie kreatives Bastelmaterial (Knete, Pfeifenputzer etc.) vorhanden. Auch für Getränke, Obst, Süßigkeiten und andere Snacks zur Stärkung zwischendurch war gesorgt.

Wie läuft ein Design Thinking Prozess ab?

Der Prozess im Design Thinking lässt sich grob in eine Analyse-Phase, eine Brainstorming-Phase, eine Entscheidungsphase, eine Entwicklungsphase und eine Präsentationsphase untergliedern. Dazwischen gibt es immer wieder Phasen zum Austausch zwischen den unterschiedlichen Kleingruppen. Vorgeschaltet wird eine kurze Einführung im Plenum, bei der die 'Regeln' vorgestellt werden. Anschließend erfolgt eine Aufteilung in kleinere Gruppen.

Bei Edutech meets School haben wir in mehreren Gruppen à ca. 15 Personen gearbeitet, die jeweils einen Raum zur Verfügung hatten und von einer Moderatorin und Gestalterin angeleitet wurden. (Bei mir war es Annemieke Frank. Herzlichen Dank für Deine sehr gelungene Anleitung und Moderation!) Diese Gruppen wurden wiederum in Kleingruppen von ca. 3-4 Personen aufgeteilt, in denen dann jeweils eine Idee entwickelt wurde.

Analyse-Phase

In der Analyse-Phase wird in der Kleingruppe gemeinsam gesammelt und sortiert, für welche Herausforderungen Lösungen gesucht werden sollen. Das Oberthema ist dabei vorgegeben. Die Teilnehmenden sammeln aus ihrer Sicht, was am meisten drückt und wozu Lösungen wichtig wären. Anschließend vertiefen sie ihre Analyse durch Überlegungen zu den beteiligten Akteuren und ihren jeweiligen Expertisen und Interessen.

Bei Edutech Meets School haben wir diese Phase in Form von Stillarbeit (Jeder schreibt so viele Herausforderungen wie möglich auf Post its) und anschließendem Clustern und Sortieren in der Kleingruppe umgesetzt. Ergebnis war bei uns eine sortierte Sammlung von Herausforderungen. Ich habe sie hier getwittert. Anschließend haben wir die Vertiefung in Form einer Diskussion in der Kleingruppe gestaltet - und daran einen Austausch mit anderen Kleingruppen angeschlossen (Von jeder Gruppe laufen zwei Personen weiter, zwei bleiben sitzen und erläutern den Menschen, der anderen Kleingruppe die Ideen)

Brainstorming-Phase

An die Analyse-Phase schließt sich die Brainstorming-Phase an. Hier werden so viele Ideen wie möglich gesammelt, die bei den gesammelten Herausforderungen helfen könnte. Diese Ideen können gerne erst einmal verrückt klingen oder unrealistisch sein. In dieser Phase erfolgt noch keine Bewertung. Es gilt: Quantität geht vor Qualität.

Bei Edutech Meets School haben wir zunächst jeder 8 Ideen in Stillarbeit aufgeschrieben und uns diese Ideen dann gegenseitig vorgestellt. Manches haben wir dann zusammengefasst, weil es sich doppelte oder sehr ähnlich war.

Entscheidungsphase

In der Entscheidungsphase entscheidet sich jede Kleingruppe für eine Idee, an der sie weiter arbeiten will.

Bei Edutech Meets School haben wir zur Priorisierung Klebepunkte genutzt (Jede Person konnte drei Punkte verteilen). Bei uns kam es zum Gleichstand. Persönlich fand ich die Auswahl am schwierigsten im gesamten Prozess, weil ich sehr gerne auch an anderen Ideen weiter gearbeitet hätte. Unter anderem hatten wir auch Ideen zur Verbreitung eines zeitgemäßen Berufsbild des Pädagogen oder eine Systematisierung von Angeboten außerschulischer Akteure als Aufbereitung für Schulen.

Entwicklungsphase

In der Entwicklungsphase wird die Idee konkreter ausgearbeitet. Hier kommt dann auch das 'Bastel-Material' zum Einsatz, das viele aus dem Bauch heraus mit Design Thinking verbinden. Beispielsweise darf geknetet oder gefaltet werden. Ganz genau so ist es aber auch möglich, die Idee einfach nur auf Papier zu visualisieren.

Bei Bei Edutech Meets School haben wir die Entwicklungsphase in mehrere Schritte unterteilt: Zunächst ging es darum, die Idee ganz kurz (d.h. in einem Tweet) zusammenzufassen (bei uns: Horizonterweiterung für Lehrende durch Austauschprogramm Schule + Wirtschaft + Zivilgesellschaft). Anschließend haben wir genauer aufgeschrieben, wie sie funktioniert, Feedback von anderen Kleingruppen dazu eingeholt und dann erst den Prototyp gestaltet. Unsere Idee hieß im Ergebnis 'Open Professional School' und sollte Menschen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft in die Schulen bringen, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter zu geben. Hier mein Tweet dazu.

Präsentationsphase

In der Präsentationsphase werden alle Ideen im Plenum präsentiert. Damit ist diese Phase sicherlich der Höhepunkt jedes Design Thinking Prozesses.

Bei Edutech Meets School haben wir die Präsentationen als 'Elevator Pitch' gestaltet. Das heißt, dass jede Kleingruppe genau eine Minute zur Verfügung hatte. Unter anderem wurden die folgenden Ideen vorgestellt: ein Edtech Beraterverband, der Schulen bei technischer Einrichtung und Support unterstützt, ein EduTech Incubator, der Startups im Bildungsbereich unterstützt, Austausch bietet und direkt mit Schulen verknüpft, ein Bottom-Up-Digital-Influencer Programm, bei dem Schulklassen spielerisch zu Digitalisierungsthemen gegeneinander antreten und auch die Lehrenden davon lernen können oder JIC, eine Suchmaschine für Bildungs-Akteure.

Die unterschiedlichen Schritte zum Anpassen und weiter nutzen habe ich hier als H5P-Präsentation gestaltet. Sie ist unter CC0 freigegeben.

Was sollte beim Design Thinking unbedingt beachtet werden?

Die folgenden drei Punkte, die beim Design Thinking unbedingt beachtet werden sollten, sind sicherlich nicht abschließend. Ich fasse damit im wesentlichen zusammen, was ich gestern gelernt und mitgenommen habe.

  • Der Design Thinking Prozess steht und fällt mit der Motivation und Aufgeschlossenheit der beteiligten Akteure. Vor diesem Hintergrund bietet es sich bei einem feststehenden Teilnehmendenkreis an, gut in die Methode einzuführen und Lust darauf zu machen. Bei einem noch offenen Teilnehmendenkreis sollten möglichst Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, aber mit viel Interesse und Engagement für das Thema eingeladen werden.
  • Der Design Thinking Prozess sollte (falls möglich von einer externen Person) begleitet werden. Ich fand eine moderierende Person für 15 Teilnehmende eine gute Größe.
  • Es ist wichtig, dass die vorgegebenen Zeiten für die einzelnen Aufgaben im Design Thinking Prozess jeweils strikt eingehalten werden. Am Ende kann die Moderation abklingen o.ä. und dann direkt den nächsten Schritt präsentieren. Auf diese Weise bleiben erstens alle Kleingruppen im gleichen Rhythmus und es entsteht ein spielerisches Element, was Spaß bringt und für Kreativität sorgt.

Wie bereite ich einen Design Thinking Prozess vor und nach?

Da die Teilnehmenden bei einem Design Thinking Prozess selbst aktiv werden, besteht die Vorbereitung im wesentlichen in einer Information über das geplante Vorhaben und die Vorbereitung der Umgebung (inklusive Bereitstellung der Materialien). Zur Moderation während des Prozesses kann meine oben eingestellte H5P Präsentation angepasst werden. Wichtiger als die Vorbereitung ist dann die Nachbereitung des Prozesses. Denn dann gilt es zu entscheiden, ob und wenn ja wie mit den entwickelten Ideen weiter gearbeitet wird.

Viel Spaß beim Ausprobieren!