„Dem Morgenrot entgegen“: ein Design Futuring Workshop beim Oskar Negt Forum des DGB Bildungswerks

Ein Zitat von Oskar Negt zum Zukunftsdenken.

Vergangene Woche war ich beim Oskar Negt Forum des DGB Bildungswerks. Das Forum fand in der Bildungsstätte in Hattingen statt, und – abgesehen davon, dass ich es richtig schön fand, mal wieder an diesem Ort zu sein, den ich von vielen früheren Educamps kenne – war auch die Veranstaltung selbst aus meiner Sicht sehr gewinnbringend.

Ich habe Freitag und Samstag als Teilnehmerin mitgemacht und am Sonntag dann zum Abschluss einen Design Futuring Workshop gestaltet. Für alle Beteiligten startete der Workshop also nicht ad hoc, sondern die Kolleg*innen hatten schon unterschiedliche Impulse gehört und sich in inhaltlichen Workshops zu unterschiedlichen Themen ausgetauscht. Dabei ging es überwiegend um eine analytische Einordnung: Welche Krise erleben wir gerade? Wie gehen wir damit um? Welche Themen sollten wir aufgreifen und angehen?

Das Ziel des Design Futuring Workshops war es dann, das Denken zu öffnen und übergreifend die Frage nach dem ‚Was tun?‘ zu stellen. Das entwickelte Konzept dafür basiert auf dem Barcamp-Prinzip und denkt es kollektiv weiter. Es ist vor allem geprägt durch mein Lernen beim Art of Hosting.

Ich teile hier, wie wir vorgegangen sind, weil ich mir gut vorstellen kann, dass dieser grundsätzliche Ablauf auch in vielen anderen Kontexten weiternutzbar ist. Wir haben es mit rund 70 Personen durchgeführt. Vorausgesetzt, dass es der Raum hergibt, kann es aber auch mit mehr Menschen gestaltet werden, genauso natürlich auch mit weniger.

Unser Vorgehen

Zum Einstieg haben wir ein kurzes Grounding zum Ankommen gemacht: Auf dem Stuhl kurz wahrnehmen, wo man sich befindet. Bewusst einatmen und ausatmen, um in Präsenz anzukommen. Den Kopf in alle Richtungen drehen, um den Raum wahrzunehmen. Dann Blickkontakt zu Kolleg*innen aufnehmen und sich non-verbal guten Morgen wünschen.

Inhaltlich sind wir dann mit einem Kartenaustausch gestartet, was für mich immer noch einer der besten Wege ist, um schnell in großen Gruppen untereinander ins Gespräch zu kommen. Die Ausrichtung war dieses Mal, gezielt eine Verbindung zu den Vortagen herzustellen. Die Kolleg*innen hatten somit Karten in drei Farben zur Verfügung, konnten eine auswählen, und darauf je nach Farbe notieren:

  • Was hat mich bestärkt?
  • Was fehlte mir?
  • Was sehe ich anders?

Wir nahmen uns hier rund 10 Minuten Zeit, so dass möglichst vielfältige Perspektiven eingesammelt werden konnten.

Mit diesen vielfältigen Perspektiven im Kopf gingen wir dann in eine ‚Denkende Runde‘, also einen bewusst gehaltenen Raum, in dem in Kleingruppen von 5 Personen, jede Person einmal in der sprechenden Rolle und ansonsten in einer zuhörenden Rolle ist. So wird ermöglicht, dass sich Gedanken sortieren und neue Gedanken entstehen können und dass man sich zuhörend wirklich auf andere Perspektiven einlassen kann. Unsere Frage war das Thema des Design Futuring Workshops: Mit welcher gewerkschaftlichen Bildungsarbeit will ich welche Zukünfte gestalten – und wie geht es mir damit?

Zusammengeführt wurden die vielfältigen Gedanken im Kopf dann mit einer Zwei-Spalten-Methode: In neuen Gruppen sammelten die Kolleg*innen auf vorbereiteten Pinnwänden, wie sie mit gewerkschaftlicher Bildungsarbeit das Wirken hin zu guten Zukünften befördern können und wie sie es verhindern würden.

Aus dieser Sammlung wurden dann die drei wichtigsten Punkte ausgewählt und auf Karten notiert.

Die Idee war dann, zu den gesammelten Aspekten nach einer Kaffeepause in Kleingruppen zu gehen und dazu in gut einer Stunde Ideen und erste Schritte zu entwickeln. Die Herausforderung bestand nun also darin, aus den vielfältigen, gesammelten Aspekten einen gemeinsamen Sessionplan zu entwickeln.

Diesen noch ungefüllten Plan hatten wir dazu vorbereitet:

Gefüllt wurde dieser Plan nun durch ein so genanntes Bingo Harvesting: Aus einer Gruppe wurde der Begriff einer ersten Karte genannt und an einen ersten Pinnwand-Bereich gehängt. Alle, die etwas ähnliches notiert hatten, konnten Bingo rufen – und ihre Karten zu dieser Karte dazu hängen. Dann ging es mit einer nächsten Karte weiter – und auch hier wurden Bingos eingesammelt. Schritt für Schritt clusterten sich dann die Karten auf der Pinnwand.

In der Kaffeepause nutzten wir im Vorbereitungsteam die Zeit, um auf den zuvor angepinnten jeweils größeren Karten einen Oberbegriff zu notieren, der das jeweilige Cluster gut und prägnant zusammenfasst – und wir legten Räume für die einzelnen Cluster fest. So entstand unser Sessionplan.

Nach der Kaffeepause stellte ich dann kurz vor, wie in den einzelnen Sessions vorgegangen werden könnte: Es gab dazu erstens diese Schritt für Schritt Anleitung:

Die Teilnehmenden wurden damit bei der Future Backwards Methode begleitet: Also zunächst einen ‚Nordstern‘ formulieren – und von da aus dann mögliche Scritte und Hadlungen ableiten.

Zweitens erhielten alle einen Dokumentations-Zettel, in dem die Ergebnisse festgehalten werden konnten.

Alle suchten sich dann das Thema aus, bei dem sie am liebsten mitdiskutieren wollten – und gingen in den jeweiligen Raum.

Zum Abschluss trafen wir uns im Plenum zu einer weiteren denkenden Runde mit dem Fokus des gruppenübergreifenden Austausches und der Festlegung eines nächsten Schrittes. Die Frage war also: Was haben wir in meiner Gruppe diskutiert und was ist darauf aufbauend mein nächster Schritt?

Zum Abschluss las ich vor, was als übergreifende Punkte notiert worden war, was mit Applaus bedacht werden konnte. So hatten wir einen gemeinsamen, motivierenden Abschluss.

Fazit

Ich habe das Vorgehen als wirkungsvoll erlebt, um gemeinsam zu in der Gruppe entwickelten Themen und Fragen in ein Zukunftsdenken zu kommen. Besonders hilfreich erscheint mir dabei das Bingo Harvesting, weil es ein sehr kollektiv getragener Ansatz ist. Das Nachmachen auch in anderen Kontexten kann ich sehr empfehlen.


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