Bits und Bäume - mein Rückblick aus Bildungsperspektive

'Bits und Bäume' ist eine Konferenz zu den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Sie fand erstmalig am vergangenen Wochenende an der TU Berlin statt. Das Thema bzw. die Verknüpfung der beiden Themen ist offensichtlich vielen ein Anliegen: So nahmen über 1.700 Menschen teil und es gab weit über 100 Programmpunkte! Getragen und organisiert wurde die Konferenz von unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen wie z.B. Brot für die Welt, dem BUND oder der Open Knowledge Foundation.

Im folgenden fasse ich meine Schlussfolgerungen aus Bildungsperspektive zusammen und informiere über (zum Teil neu entdeckte) Tools, Projekte und Kooperationspartner*innen für Bildungsakteur*innen.

Aufzeichnungen und Ergebnisse

Dank dem CCC sind alle Talks der Konferenz aufgezeichnet und stehen zum online Ansehen und zum Download in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung. Aus Bildungsperspektive empfehle ich insbesondere die folgenden Clips:

Ein sehr schönes und unterhaltsames Format war außerdem das abendliche Sporangium: 8 Vorträge mit je 8 Minuten, in denen Wissen verteilt wurde 'wie die Sporen der Farnpflanzen' und welches in den Köpfen der Teilnehmenden hoffentlich auf fruchtbaren Boden fällt.

Gemeinsam mit Rasmus Grobe habe ich zum Thema 'Offene Bildungsmaterialien für die Umweltbewegung' gesprochen. Das Skript mit Links zu den Folien und weiteren Quellen findet sich in diesem weiter nutzbaren und ergänzbaren HackMD.

Als 'Ergebnis' der Konferenz wurden 10 politische Forderungen festgehalten, was sich für eine nachhaltige Digitalisierung ändern muss. Zusammenfassend dargestellt findet man sie im Blog Netzpoltik. Ich halte diese Forderungen auch für Digitalisierungsdebatten im Bildungsbereich wichtig. Spezifisch zu Bildung wurde im Rahmen der Forderungen festgehalten:

Politische Regulierung muss darauf zielen, auch Informationen und Bildungsangebote zu Technik und Wirkungsweisen als einen Teil des öffentlichen Gemeinguts zu begreifen, sie müssen elementarer Bestandteil des öffentlichen Wissens sein.

Online-Tools und Ressourcen zur Nutzung in Bildungsprojekten

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit stelle ich in dieser Rubrik einige Links zusammen, die im Kontext von Digitalisierung und Nachhaltigkeit auch im Bildungskontext von Interesse sein können:

  • Die Demokratielabore haben sehr gute Materialien zum Thema entwickelt, wie sich mit digitalen Tools Gesellschaft mitgestalten lässt. Sie können auf der Website gelesen bzw. herunter geladen werden. Insbesondere empfehle ich das 'Handbuch zur Gestaltung von Workshops mit Jugendlichen'.
  • Auf der Konferenz ging es immer wieder um Nutzungsmöglichkeiten von offenen Daten. Gute Quellen auch für den schulischen Bereich sind die folgenden Portale: Alle offenen, öffentlichen Daten finden sich bei GovData. Das frei nutzbare Auskunftsportal auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes ist Frag den Staat. Und bei Wikidata hat man die Möglichkeit zu kollaborativ entwickelten Wissensabfragen (und eigenen Ergänzungen).
  • Die Plattform Ecapio zeichnet Vorträge zum Thema der Nachhaltigkeit auf und verbreitet sie. Zudem finden sich auf der Website Bildungsmaterialien in Form von 'Lernlandschaften.' (noch nicht als OER, aber online direkt auf der Website frei nutzbar)
  • Fairmeeting.net ist eine datenschutzkonforme und nachhaltige Video-Konferenz-Software, die direkt im Browser bzw. via App genutzt werden kann.
  • Im Entstehen ist die Plattform 'Weltverbessern-lernen' mit OER für Umweltthemen. Auf dem Portal Globales Lernen sind OER neu entdeckt. Die bisherigen propritären Materialien sollen wo nötig umgestaltet bzw. neue Materialien als OER eingestellt werden.
  • Wer Bildungsmaterialien zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung oder zum Globalen Lernen erstellt, kann sich noch bis Ende März 2019 an der GlOERchallenge beteiligen. Gesucht sind OER für das Globale Lernen!
  • Digitalisierung kann im Unterricht als Thema auch ganz direkt unter Nachhaltigkeitsaspekten betrachtet werden. Hilfreich sind hierzu z.B. die Auskunftwebsites über das Hosting einer Website und über ihren CO2 Verbrauch.

Um Technik zu entmystifizieren und praktisch verständlich zu machen, hat das Weizenbaum-Institut auf der Konferenz das bereits in den 60er Jahren entwickelte Experiment MENACE als analoges Projekt zum Mitmachen durchgeführt. Gemeinsam geht es darum, eine künstliche Intelligenz zu trainieren, die im TicTacToe Spielen gewinnt. Dazu benötigt man lediglich Strichholzschachteln und Bügelperlen. Mehr zu MENACE findet man in diesem englischsprachigen Blogbeitrag. Die Materialien zum Nachmachen des analogen Experiments z.B. in der Schule habe ich angefragt.

Projekte und Akteure für Mitarbeit, Austausch und Kollaboration

Bei der Konferenz haben sich zahlreiche Initiativen präsentiert. Für Kooperationen im Bildungskontext halte ich insbesondere (aber sicherlich nicht abschließend) für lohnend:

  • die Demokratielabore - oben bereits erwähnt in Bezug auf ihre Materialien und sicherlich auch darüber hinaus ein spannender Partner für Bildungsprojekte.
  • die Initiative Code for Germany: lose organisierte Gruppen in so gut wie allen größeren Städten, die mithilfe von Technik ganz praktisch an Lösungen für unterschiedliche Probleme arbeiten und diese z.B. als Online-Tools zur Verfügung stellen.
  • Chaos macht Schule - Der CCC an der Schule mit Workshopangeboten und mehr zum Thema digitale Souveränität, Technikgestaltung und Datenschutz.

Interessante Projekte im Kontext digitaler Infrastruktur sind Hostsharing: eine Initiative, die als Genossenschaft Hosting anbietet. FairMoveIt: ein Projekt, das an Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Plattformen im zivilgesellschaftlichen Bereich arbeitet (mit Lernerfahrungen für den Bildungsbereich) und das geplante Projekt Hubs4Change mit dem lokalen Initiativen eine Open Source Lösung für ihre eigene Community-Plattform an die Hand gegeben werden soll (vielleicht dann nutzbar für Bildungsprojekte).

Mein Fazit und Ausblick

Ich fand die Konferenz sehr spannend und freue mich auf Fortsetzung. Dann vielleicht ja auch mit Bildung als einem größeren Schwerpunkt und noch mehr Beteiligung von Bildungsakteuren. Denn eine mündige Nachhaltigkeit und digitale Souveränität wird nur mit besserer Bildung für alle zu erreichen sein.

Vor dem Hintergrund von aktuellen Digitalisierungsdebatten im schulischen Bereich zeigte sich im Kontext der Konferenz für mich insbesondere die Relevanz von OER und von Überlegungen zu mehr digitaler Souveränität.

  • OER als eine Möglichkeit, erstens Wissen besser und nachhaltig für alle zu verbreiten - und zugleich auf eine neue Bildungskultur der Freiwilligkeit und der Solidarität hinzuwirken.
  • Digitale Souveränität als Bedingung dafür, dass die digitale Transformation gesellschaftlich verstanden und vor diesem Hintergrund demokratisch mitgestaltet werden kann. Dazu gehört auch die Orientierung auf Technik in den Händen der Allgemeinheit z.B. in Form von Open Source und Open Hardware.

Wer weitere Informationen und Einblicke zur Konferenz sucht, dem empfehle ich den Twitter-Hashtag #bitsundbäume.