Barcamp-Session: So retten wir die Welt (?)

Ein Sessionzettel mit dem Titel: So retten wir die Welt?

Ich habe mich in den letzten Monaten intensiv mit den Inner Development Goals (IDGs) auseinandergesetzt und dazu auch das Botschafterinnen-Programm absolviert. Die IDGs sind ein Rahmenwerk mit Selbstentwicklungs-Kompetenzen, das in bewusster Verknüpfung mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (den SDGs) die Frage stellt:

Welche Veränderung braucht es in uns selbst, um diese Nachhaltigkeitsziele erreichen zu können?

Bei der heutigen edunautika war eine schöne Gelegenheit, gemeinsam mit neugierigen Kolleg*innen zu erkunden, wie sich dieser grundsätzliche Ansatz der IDGs – mit innerer Entwicklung zu äußerer Veränderung kommen – in Lern- und Austauschformate übersetzen und erleben lässt.

Ich teile im Folgenden den dazu gestalteten Rahmen. Ich habe ihn als sehr gewinnbringend erlebt. Meine sonstigen Eindrücke von der edunautika habe ich in diesem Beitrag notiert.

Thema der Session

Ich habe die Session mit dem Titel angekündigt:

So retten wir die Welt (?!): Mit innerer Entwicklung und Verbundenheit zu mehr pädagogischer Wirkungsmacht für l(i)ebenswerte Zukünfte.

In der Vorstellung habe ich erklärt, dass es um gemeinsames Ausprobieren und Erleben geht, also wir konkret erkunden werden, wie ein möglicher Raum für solch eine Entwicklung und Verbundenheit gestaltet sein könnte.

Rahmen

Die edunautika ist ein Barcamp und ich habe das Angebot somit als 45-minütige Session angeboten.

Bei einem Barcamp sind die Türen normalerweise offen. Das bedeutet, dass Menschen jederzeit auch zwischendurch die Session wechseln und somit auch später dazu stoßen können. Ich bin von diesem Grundsatz heute bewusst abgewichen, weil ich finde, dass das bei solch einem Thema und einer entsprechenden Raumgestaltung schwieriger ist. Die Tür der Session war somit zu. (Wer von innen nach draußen wollte, konnte das aber natürlich jederzeit machen.)

Ablauf

Der Fokus der Session lag auf zwei ‚Denkenden Runden‘, in denen die Beteiligten in ein intensives Sprechen und Zuhören kommen konnten. Vorbereitet wurde dies durch eine Ankommenszeit und unterstützt mit einer Übung aus dem Social Presencing Theater und einem gemeinsamen Abschluss.

1. Ankommen

Ich habe kurz den Hintergrund der Session erklärt (= meine eigene Suche nach mehr pädagogischer Wirkungsmacht angesichts vielfältiger Krisen und möglicher ‚Spuren‘ bei den IDGs, der Theorie U und im Ansatz des DEEPSKILLING). Vor allem aber lud ich ein, sich auf die nächsten Schritte einzulassen – und machte zugleich deutlich, dass es natürlich jederzeit auch möglich ist, auch nicht mitzumachen.

2. Grounding

Wir sind alle kurz im Stillen angekommen (= bewusst in sich hineinspüren). Dann haben wir eine nicht-sprechende ‚Vorstellungsrunde‘ in der Form gemacht, dass wir uns alle durch den Raum bewegten und dabei versuchten, die anderen Beteiligten sehr offen wahrzunehmen und sich mit ihnen jeweils non-verbal auf eine Begrüßung zu verständigen (= manche umarmten sich, manche nickten sich zu, manche schüttelten sich die Hand).

3. Denkende Runde 1

Wir kamen danach in 3er-Gruppen zusammen. Ich teilte auf Karten jeder Gruppe diese Frage aus:

Wie geht es mir mit meiner pädagogischen Wirkungsmacht angesichts der Krisen dieser Welt?

Die Karte wurde reihum weitergegeben. Wer sie hatte, sprach 3 Minuten zur Frage; die anderen hörten zu, aber unterbrachen nicht.

Im Anschluss erläuterte ich dazu das Bild des Gummibandes: Auf der einen Seite ganz viel Liebe für die Schönheit der Welt; auf der anderen Seite ganz viel Leiden, für das was täglich an Gewalt und Zerstörung passiert. Diese Spannung zuzulassen, kann Energie ermöglichen, um zu Veränderung zu kommen.

4. Social Presencing Theatre

Wir machten anschließend eine Mini-Übung aus dem so genannten Social Presencing Theater:

Wir nahmen in uns dazu die Herausforderung wahr und verkörperten sie, in der wir uns befinden (= Werden wir niedergedrückt? Sind wir orientierungslos? Wird an uns von zwei Seiten gezogen? …). Aus dieser Position heraus lässt sich dann erspüren, wo wir eigentlich hinwollen – und diese Bewegung machen. Wir erleben alle gemeinsam, dass auch andere mit uns solch eine öffnende/aufrichtende Bewegung machen. (In diesem Video ist diese Übung sehr schön erklärt und gezeigt)

5. Denkende Runde 2

Danach kamen wir wieder in 3er-Gruppen zusammen – dieses Mal zur Frage: Was gibt mir Zuversicht? Wieder hatten alle 3 Minuten Redezeit.

6. Entwicklung/ Reflexion einer Intention

In Stille nahmen wir uns danach Zeit, um für uns der Frage nachzuspüren:

Was könnte jetzt unsere Intention sein? Worauf wollen wir unsere Aufmerksamkeit richten?

Nach der Stille-Phase konnten wir das mit Nebensitzenden teilen.

7. Abschluss

Als kleines ‚Nachbereitungs-Material‘ zur weiteren Reflexion der aufgeworfenen Fragen haben wir bei den wirkSamen ein Mini-Zine gestaltet, das sich alle zum Abschluss mitnehmen konnten.

Hier ist die Vorlage dazu zur offenen Weiternutzung:

(Und hier eine Anleitung zum Falten eines solchen Zines)

Mein Fazit

Die edunautika ist ein sehr reformpädagogisch geprägtes Barcamp mit großer Aufgeschlossenheit und vielfach auch langjähriger Erfahrung der Teilgebenden mit solchen, ganzheitlichen und reflektierenden Methoden. Ich fand es sehr schön, in solch einem somit sich sehr ’sicher anfühlenden‘ Raum gemeinsam dem Nordstern einer l(i)ebenswerten Welt und des jeweils eigenen Beitrags dazu nachzuspüren. Vielen Dank an alle Beteiligten!

Mich bestärkt die Erfahrung sehr, dass solche Räume und vor allem auch dieser Nordstern unbedingt auch in so vielen weiteren Kontexten in die Bildung gehört. Und ich freue mich, daran weiter zu arbeiten.


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