Nach der Suchmaschinenoptimierung – kurz SEO für englisch Search Engine Optimization – gibt es im Kontext von KI eine neue Variante der Optimierung der eigenen Online-Präsenz. Die ‚Maschinenantwortoptimierung‘, abgekürzt AEO für englisch: Answer Engine Optimization. Dazu passt, dass auch die bisherigen Anbieter von Internetsuchen, allen voran Google, eine Umorientierung vorhaben. Anstelle der bisherigen Suche nach Begriffen und Anzeige von Websites soll – zumindest den Ankündigungen zufolge – ein AI-Chat der Standard-Zugang zu Online-Inhalten sein.
AEO ist dabei nur einer von mehreren Begriffen für diese neue Perspektive. Andere sprechen von Generative Engine Optimization (GEO), LLM Optimization (LLMO) oder AI Visibility Optimization. Ich verwende im Folgenden AEO, weil es mir recht passend beschreibt, was damit intendiert ist – eben eine Optimierung der eigenen Online-Präsenz in den Antworten von Maschinen.
Wichtig ist dabei dann noch eine Differenzierung. Antworten in einem KI-Chat können auf zwei Wegen erfolgen:
- Die Online-Inhalte sind in den Trainingsdaten eines KI-Modells integriert. Dann hilft eine kurzfristige Optimierung natürlich nicht.
- Die Online-Inhalte sollen in einer KI-Live-Suche gefunden werden. Dazu sind bisherige AEO-Tools vor allem ausgelegt.
Ich plädiere im Folgenden dafür, den – in meinen Augen – reichlich absurden AEO-Zirkus nicht mitzumachen, sondern besser an Alternativen für ein offenes Internet zu arbeiten. Um das zu begründen, habe ich mir AEO aber genauer angeschaut. Mir hilft ein Blick in die Funktionsweise und ein direktes Ausprobieren, um mich zu so einer Entwicklung zu orientieren und dann das eigene Handeln ausrichten zu können.
Was macht AEO?
Bei SEO ging es darum, dass die Inhalte, die man ins Internet stellt, von Suchmaschinen möglichst gut gefunden werden. Ich habe mich damit nie systematisch beschäftigt, aber fand das grundsätzlich eine sinnvolle Sache. Denn wenn Maschinen meine Inhalte gut finden können, dann kann ich darüber wiederum mit meinen Inhalten Menschen erreichen, weshalb ich die Inhalte ja überhaupt teile.
Vor diesem Hintergrund war ich gegenüber AEO grundsätzlich aufgeschlossen, habe mir beispielsweise auch bereits so genannte Grounding-Pages auf meiner Website eingerichtet, die für KI-Sprachmodelle optimiert sind und Infos zu meiner Person und dem eBildungslabor maschinenoptimiert zur Verfügung stellen. Mit solchen Schritten kann ich in einem veränderten Internet erreichen, dass meine Inhalte bei anderen Menschen ankommen. Soweit zumindest die Theorie.
Wie sieht AEO in der Umsetzung aus?
Ich habe mir als eines von mehreren AEO-Tools das Angebot von HubSpot angeschaut, das die AInauten in ihrem Newsletter recht begeistert weiterempfohlen haben.
Durch dieses Tool klickt man sich relativ schnell durch. Name und Website und Funktion (bei mir: Freiberuflerin) können eingetragen werden oder werden direkt aus der Mailadresse extrahiert. Dann habe ich die Möglichkeit, noch alternative Namen einzugeben, und alles Weitere wird dann erst einmal automatisiert generiert. Im Einzelnen:
- Wer meine Haupt-Konkurrenten sind (der Vorschlag war hier sehr spaßig: H5P, Moodle und oncampus – also alles Initiativen und Angebote, die ich aktiv und vernetzt nutze)
- Was meine Angebote und Zielgruppen sind
- Mögliche Prompts dazu, die Menschen bei KI-Sprachmodellen dazu eingeben könnten
Das Tool testet dann in verschiedenen Sprachmodellen, ob diese nach Eingabe der entwickelten Prompts mich in ihren Antworten erwähnen. Wenn also z. B. jemand die Frage eingibt: „Ich suche kreative Methoden für mehr Interaktion beim Online-Lernen?“ Dann könnte es ja sein, dass in der Antwort irgendein Blogbeitrag aus dem eBildungslabor auftaucht, den ich in der Corona-Zeit geschrieben habe.
Mein schneller Test war hier recht deutlich: Meine Inhalte scheinen bisher kaum den AEO-Standards zu entsprechen. Es gab in den verschiedenen, exemplarischen Antworten immer überhaupt keine Treffer. Das ist natürlich immer nur eine Annäherung, weil es ja statistische Antworten sind und meine Website in einem weiteren Versuch dann rein gewürfelt werden könnte. Die Tendenz ist erst einmal trotzdem ziemlich deutlich.
Damit wird dann der nächste Part des Programms initiiert: Das Tool macht mir sehr konkrete Vorschläge, welche Inhalte ich publizieren könnte, um AEO besser zu entsprechen. Bei der Variante der Blogbeiträge hätte ich hier direkt die Möglichkeit, mir einen möglicherweise AEO-hilfreichen Beitrag direkt von einem KI-Sprachmodell schreiben zu lassen.
Genau diese Orientierung brachte mich dann dazu, das Ganze für mich mit ‚Next Level Bullshitting‘ zu titulieren. Denn ich befürchte, dass genau das die Folge sein wird: Menschen klicken sich durch das Tool und generieren dann mithilfe der Anregungen tendenziell völlig beliebige Online-Inhalte, um genau damit dann besser in KI-Antworten gelistet zu werden.
Wie ist diese Entwicklung einzuschätzen?
Ich bringe eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für ‚Online-Kommunikation vermittelt über Maschinen‘ mit. Die AEO-Entwicklung erscheint mir allerdings absurd, weil – noch viel mehr als zuvor in vielen Bereichen schon SEO – auf eine entkontextualisierte Vermarktung von Produkten im Online-Raum gezielt wird, wobei alles bei zentralen Plattformen zusammenlaufen könnte, deren intransparente Algorithmen dann eben für den Preis von Sichtbarkeit bedient werden können. Allerdings nur mit Sichtbarkeit innerhalb des Modells: Ob mit der Anzeige dann auch ein Klick auf meine Website erfolgt, ist mindestens deutlich weniger wahrscheinlich als bei einer bisherigen Anzeige in der Suche, da meine Inhalte ja schon ausgespielt werden.
Noch viel mehr als bisher scheint es das Ziel zu sein, Inhalte dafür zu generieren, dass eine wie auch immer geartete Sichtbarkeit oder Reichweite ermöglicht wird.
Ich möchte mich in diese Logik nicht hinein begeben und ich denke, dass es dringend Energie und Aktivität für Alternativen braucht. Gerade jetzt, wo die Plattformlogik tendenziell tatsächlich in eine absurde Selbstreferenzialität kippt, scheint mir auch viel ‚fruchtbare Erde‘ und grundsätzliche Aufgeschlossenheit bei immer mehr Menschen für solche Alternativen vorhanden.
Was sind Alternativen?
Eine alternative Internetkommunikation beinhaltet für mich drei wichtige zur AEO-Logik veränderte Orientierungen:
- Es geht um gestaltete und kontextualisierte Räume: Das, was ich ins Internet stelle, ist nicht einfach ein Inhalt im Sinne eines vermarktbaren Produkts. Vielmehr ist z. B. meine Website ein gestalteter Online-Raum, dem ich einen bestimmten Kontext gebe und in den ich Menschen einlade. Solch ein Ansatz ermöglicht Vielfalt und ernsthafte Auseinandersetzung mit geteilten Inhalten.
- Es geht um Verbindung und Beziehung: Meine Alternative sind natürlich keine isolierten Silo-Inhalte. Ganz im Gegenteil: Der Grundgedanke des Internets ist für mich Verbindung und Vernetzung. Wenn das aber tatsächlich so funktionieren soll, dass Vielfalt aufgegriffen und wertgeschätzt und wirksam werden soll, dann geht das nicht monopolisiert, sondern dezentral und über Schnittstellen.
- Es geht um sinnhaftes Handeln: Ausgangspunkt für jede Kommunikation und damit auch für Online-Kommunikation ist für mich das ‚Wozu?‘. Ich teile Online-Inhalte als Freiberuflerin natürlich immer auch, um potentiell gefunden zu werden und somit bezahlte Aufträge zu erhalten, von denen ich leben kann. Dieses Ziel lässt sich für mich aber nicht trennen von meinem grundsätzlichen Anliegen, mit meiner Arbeit, meinem Wirken und damit auch mit dem Teilen von Online-Inhalten einen Unterschied zu machen hin zu einer l(i)ebenswerten Welt. Gerade angesichts zunehmender Krisen in unserer Gesellschaft erscheint mir solch ein ausgerichtetes Handeln unerlässlich.
Sinnhaftes Handeln in einer technologisch fortgeschrittenen und zunehmend KI-geprägten Welt bedeutet für mich nicht technologische Abwehr, sondern dass ich technologische Potentiale erkenne und versuche, sie zur Entfaltung zu bringen.
Während bei SEO vielleicht noch ein bisschen die Ideen eines offenen Netzes zumindest durchschimmerten, scheint mir das bei AEO nun praktisch gar nicht mehr gegeben zu sein. Es gilt deshalb, an Alternativen zu arbeiten, diese vorzuleben und auch andere dazu zu befähigen. Das sind dann wenig spektakuläre, aber aus meiner Sicht sinnhafte Schritte: eine eigene Website, Verständnis und Lernen zu Dezentralität sowie auf Schnittstellen setzen und diese bedienen. Pionierarbeit sehe ich zu Letzterem zurzeit im Fediverse, aber auch in Projekten wie z. B. NOSTR.
Ich freue mich, dass ich immer mehr Menschen und Initiativen wahrnehme, die solche Entwicklungen voranbringen. Du bist herzlich eingeladen, anstatt weiter Energie in ein immer absurderes, monopolisiertes Internet zu stecken, solche Entwicklungen mit zu unterstützen. Gerade wenn der Preis dafür ist, dass AEO-Tools dir dann ‚0 % KI-Sichtbarkeit‘ bescheinigen. :-)
Wenn wir jetzt eigene, selbst-gehostete Online-Räume, föderierte Verbindungen und direkte Kanäle pflegen, andere dazu befähigen und auf diese Weise ein immer vielfältigeres dezentrales Online-Ökosystem entwickeln, bei dem es nicht um abstrakte Reichweite, sondern sinnhafte Wirkung geht, dann arbeiten wir nicht gegen Technologie, sondern für eine alternative, nämlich gemeinwohlorientierte und gemeinschaftlich genutzte Technologie, was Grundlage sein kann für bessere Zukünfte.
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2 Kommentare
@nele solche Gen Texte wünsche ich mir zwecks Wiederuaffindbarkeit auf einem Blog 😃
Der Text befindet sich in meinem Blog im eBildungslabor – der Blog ist ans Fediverse angegliedert und deshalb auch dort lesbar.