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KMK/BMBF-Bericht zu OER

Seit einigen Tagen ist der Ende Januar veröffentlichte Bericht einer Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Länder und des Bundes zu Open Educational Resources (OER) öffentlich. Die Arbeitsgruppe bewertet OER insgesamt positiv und als eine spannende Herausforderung.

Der Bericht wird von den Verfasserinnen und Verfassern selbst als ein „Wegweiser“ in den aktuellen Debatten und Entwicklungen im OER-Bereich eingeordnet. An seinem grundsätzlichen Duktus und den vorgenommenen Einschätzungen wird deutlich, dass es von politischer Seite durchaus Interesse und Bereitschaft gibt, die weitere Verbreitung und Nutzung von OER zu unterstützen.

Der Bericht nimmt zunächst eine Begriffsbestimmung zu OER vor, wobei es mir sehr gut gefällt, dass einem weiten Begriff von Offenheit gefolgt wird: Als OER werden so Bildungsmaterialien bezeichnet, die nicht nur frei zugänglich sind, sondern auch weiter bearbeitet und verbreitet werden können. Anschließend werden „Innovationspotenziale und Herausforderungen“ skizziert, wobei als Hintergrund die große Bedeutung von OER in anderen Ländern und internationalen Organisationen gesehen wird.

  • In Bezug auf eine pädagogische Ebene werden durch OER Chancen für Lehrende und Lernende gleichermaßen gesehen. So könnten authentische und aktuelle Materialien sowohl für formale als auch die informelle Bildung aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Berechtigterweise wird auch darauf hingewiesen, dass ein sinnvoller Einsatz von OER eine entsprechende didaktische Gestaltung voraussetzt.
  • Auf einer organisatorisch-funktionalen Ebene wird ausgeführt, dass Lehrende zunehmend als Produzenten von Bildungsmaterialien dienen können, wobei zur Qualitätssicherung unterschiedliche Methoden – beispielsweise Vergabe von Qualitätssiegeln, aber auch Bewertungen durch Nutzerinnen und Nutzer – herangezogen werden sollen.
  • In Bezug auf eine technische Ebene wird die Notwendigkeit von Metadaten zur Sicherung der Auffindbarkeit von OER betont. Zudem wird es als „wünschenswert“ dargestellt, dass OER in Formaten vorliegen, die deren Weiterbearbeitung auch real ermöglicht.
  • Auf einer juristischen Ebene wird auf die Nutzung offener Lizenzen zur rechtlich sicheren Nutzung und Weiterverbreitung von OER hingewiesen. Erwähnt wird zudem eine mögliche zu entwickelnde spezifische OER-Lizenz.
  • Auf einer wirtschaftlichen Ebene wird erwartet, dass OER nicht zu einer Kostenreduktion bei Lehr-Lern-Mittel beitragen werden, wobei sich gerade erst neue Geschäftsmodelle entwickeln würden, an denen sich gegebenenfalls auch bisherige Anbieter von Lernmaterialien zukünftig beteiligen könnten.

Aufbauend auf dieser Analyse werden sechs Empfehlungen vorgeschlagen:

Erstens und vorrangig soll eine Plattform aufgebaut bzw. bestehende Plattformen vernetzt und ausgebaut werden, die Verweise zu OER-Quellen und gegebenenfalls auch Materialien enthält. Zweitens sollte die Rechtssicherheit verbessert werden, indem z.B. auch über spezifische OER-Lizenzen nachgedacht wird. Drittens soll im Rahmen von Fortbildungen bzw. gezielten Informationskampagnen für die Potenziale von OER sensibilisiert werden. Viertens soll die Entwicklung von OER vorangebracht werden, indem z.B. Leuchtturmprojekte gefördert, Wettbewerbe ausgeschrieben oder Projekte mit Modellcharakter initiiert werden. Fünftes soll die internationale Zusammenarbeit intensiviert werden und sechstens eine bundesweite Koordinierungsstelle die Weiterentwicklung von OER unterstützen.

Positiv finde ich an diesem Bericht, dass das Thema OER von politischer Seite überhaupt aufgegriffen und grundsätzlich auch positiv bewertet wurde. Ich finde es gut, dass Potentiale erkannt und die weitere Entwicklung von OER vor diesem Hintergrund grundsätzlich unterstützt werden soll. Wichtig scheint es mir auch zu sein, dass OER nicht als neue Möglichkeit gesehen werden, um an Lehrpersonal oder Bildungskosten zu sparen, sondern – im Gegensatz dazu – die Bedeutung von didaktischer Gestaltung und Qualitätssicherung explizit hervorgehoben wird.

Weniger überzeugend finde ich die Art und Weise in welcher Form die Politik in diesem Bereich aktiv werden möchte. Insbesondere liest man von einer auch finanzieller Unterstützung in Form einer gezielten Förderung für freie Bildung in der Stellungnahme nichts. Lediglich die angedeuteten Modellprojekte könnten gegebenenfalls in diese Richtung ausgebaut werden und Wirkung entfalten. Auch arbeitspolitische Überlegungen, die den Ausbau von OER unterstützen würden, finden sich keine. Sinnvoll wäre es aber z.B. gerade hier anzusetzen und z.B. im Tätigkeitsprofil von Lehrerinnen und Lehren mit aufzunehmen, dass auch die aufgewendete Zeit für die Entwicklung von OER als Arbeitsstunden angerechnet werden kann.

Darüber hinaus schließe ich mich dem Bündnis freie Bildung an, das in seiner Stellungnahme insbesondere die Überlegungen zu einer spezifischen OER-Lizenz zurückweist, da hiermit eine rechtliche Insellösung droht, die auch den internationalen Austausch erschweren dürfte.