Back to Top

Bundestag diskutierte zu digitaler Bildung

Der Bundestag diskutierte heute einen Antrag der Koalitionsfraktionen zu digitaler Bildung. Er trägt den Titel: „Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“. Im Vorfeld berichtete unter anderem die Transferstelle für Open Educational Resources (OER) über den Antrag. Ich habe mir die Debatte im Livestream des Bundestages angesehen und fasse in diesem Blogbeitrag die wesentlichen Aussagen und Positionierung der Rednerinnen und Redner zusammen.

In der Debatte haben für die Koalitionsfraktionen zunächst Sven Volmering (CDU/CSU) und Saskia Esken (SPD) das Wort ergriffen und den Antrag grundsätzlich vorgestellt. Beide haben sich sehr zufrieden mit dem erreichten Ergebnis gezeigt. Der Antrag beinhaltet insbesondere die Forderung nach einem Länderstaatsvertrag für den Informatikunterricht, ein schnelleres Internet auch in Schulen, mehr Berücksichtigung von mediendidaktischen Inhalten in der Ausbildung von Lehrern und Erziehern sowie mehr Medienkompetenzförderung von Schülern.

Während Sven Volmering insbesondere auf das Ziel der Strategie Digitales Lernen einging, die der Bund gemeinsam mit den Ländern entwickeln will und – in Richtung der Opposition - davor warnte, den Antrag zu zerreden und wieder nur Kritik am Kooperationsverbot in der Bildung zu äußern, skizzierte Saskia Esken mit dem Thema Open Educational Resources (OER) einen weiteren Bestandteil des Antrags. Sie äußert insbesondere, dass OER ein Weg sein können für eine verbesserte individuelle Förderung sowie für ein Lernen, bei dem Schüler Selbstwirksamkeit erleben können. Vor diesem Hintergrund seien in diesem Haushaltsjahr bereits zwei Millionen Euro für diesen Bereich eingeplant.

Aus der Opposition wurde – neben der erwarteten und aus meiner Sicht auch durchaus berechtigten Kritik am Kooperationsverbot in der Bildung – darauf hingewiesen, dass der Antrag nicht viel mehr als heiße Luft sei und keine tiefergehenden Reformen vorsehen würde.

So kritisierte beispielsweise Rosemarie Hein (DIE LINKE), dass der Bund beim Thema digitale Bildung im wesentlichen auf wenige – und dann auch in der Tat sehr beeindruckende Leuchtturmprojekte – setze. Für eine flächendeckende Verankerung einer qualitativ hochwertigen digitalen Bildung reiche das aber nicht aus. Sie wies zudem darauf hin, dass der Bund durch eine Erhöhung des Schulbedarfspaket dafür sorgen könne, dass Schüler aus einkommensschwachen Schichten besser mit neuen Medien ausgestattet werden. Im Antrag findet sich hierzu jedoch nichts. Aktuell erhalten bedürftige Familien mit diesem Paket lediglich pro Kind 100 Euro pro Jahr für die Schulausstattung.

Özcan Mutlu (Bündnis 90/ Grüne) zeigte sich unzufrieden mit dem Tempo der Bundesregierung bei diesem Thema. Auch der jetzige Antrag würde lediglich Beratungen ankündigen. Im Umkehrschluss würde dies aber bedeuten, dass bisher noch nichts passiert sei …

Seine Parteikollegin Tabea Rößner ging insbesondere auf das Thema Medienkompetenz ein. Dabei stellte sie dar, dass es aus ihrer Sicht falsch, sei, Medienkompetenz nur aufgrund der Perspektive des drohenden Fachkräftemangels fördern zu wollen. Hauptantrieb müsse stattdessen sein, Menschen zu mündigen – und damit auch kritischen – Bürgern in einer digitalisierten Welt zu machen. Sie vermisste vor diesem Hintergrund das Thema lebensbegleitendes Lernen im Antrag, was zudem – anders als der Schulbereich – ein Bereich sei, in dem der Bund aktiv werden könne. Gleiches gelte für die außerschulische Bildung.

Für die Bundesregierung sprach der Parlamentarische Staatssekretär Stefan Müller (CDU/CSU). Er zeigte sich – wie auch die Berichterstatter aus den Koalitionsfraktionen – zufrieden mit dem Antrag, wies darauf hin, dass die Bundesregierung mit der verabschiedeten Digitalen Agenda bereits wesentliche Eckpfeiler bei diesem Thema gesetzt habe und bemängelte das Fehlen von eigenen, konzetionellen Vorschlägen aus den Reihen der Opposition.

Weitere Rednerinnen und Redner waren Harald Petzold (DIE LINKE), der insbesondere den Bedarf nach einer besseren Infrastruktur anmerkte; Oliver Kaczmarek (SPD), der für eine andere Lernkultur eintrat, da Laptops und Beamer noch keinen besseren Unterricht machten. Großes Potential würde er im kooperativen Lernen sehen; Thomas Jarzombek (CDU/CSU), Jens Zimmermann (SPD) und Dr. Wolfgang Stefinger (CDU/CSU).

Der Antrag wurde im Anschluss an die Debatte zur weiteren Beratung in die Ausschüsse überwiesen.