Praxiseinstieg ins Thema Open Educational Resources (OER)

Wenn Du einen kompakten und praxisorientierten Einstieg ins Thema Open Educational Resources (OER) suchst, dann kann dieser Blogbeitrag für Dich hoffentlich hilfreich sein. Er ersetzt weder umfassenden OER-Kompetenzerwerb noch eigenes Ausprobieren und Erkunden - aber er macht Dir den Start dafür so einfach wie möglich.

1. Was sind OER?

OER sind Bildungsmaterialien, die man aufgrund ihrer freien Lizenz beliebig weiterverwenden kann. Sie liegen häufig, aber nicht zwangsläufig digital vor und können in Umfang und Komplexität sehr unterschiedlich sein: vom einfachen Arbeitsblatt bis hin zu einem umfassenden Online-Kurs!

Beliebige Weiterverwendung bedeutet, dass für die Materialien die ‚5V‘ gelten. Man darf die Materialien verwahren/vervielfältigen, verwenden, verarbeiten, vermischen und verbreiten.

Beispiel: ein OER-Arbeitsblatt darf ich mit eigenen Informationen anreichern, ein weiteres Bild aus einem anderen Material hinzufügen – und das Ergebnis dann meinen SuS auf einer virtuellen Lernplattform zur Verfügung stellen.

2. Warum sind OER eine gute Idee für zeitgemäße Pädagogik?

  • OER hatten von Beginn an die Misssion, allen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Darum geht es auch bei zeitgemäßer Pädagogik: alle mitnehmen, niemanden zurücklassen!
  • OER setzen auf Austausch und Kollaboration unter Lehrenden zum Nutzen von allen. Niemand muss das Rad immer wieder neu erfinden!
  • OER haben das Potential für eine zeitgemäße Qualitätsentwicklung in der Bildung. Nicht Stempel drauf und fertig – sondern Qualitätsentwicklung als Prozess.
  • OER können einfach angepasst und verändert werden. Damit bieten sie die Perspektive für spezifisch passende und individualisierte Bildung. Unterschiedliche Bedürfnisse und Vorkenntnisse können berücksichtigt werden.
  • Durch die einfache Weiterbearbeitung können OER-Materialien nicht nur einfach aktuell gehalten werden. Sie bieten auch die Möglichkeit, neue Themen und Aspekte, die noch nicht von traditionellen Bildungsmaterialien aufgegriffen wurden, in den Unterricht zu integrieren. Ein Beispiel ist das Themenfeld des globalen Lernens oder auch Bildungsmaterialien zum Coding.
  • Und vor allem bieten OER das Potential nicht nur die Materialien, sondern die Bildung insgesamt offener zu gestalten. Mit so genannten Open Educational Practices (OEP) kann an konstruktivistische Lerntheorien angesetzt werden; Multiperspektivität, kollaboratives Lernen & eine aktive Rolle der Lernenden im Lernprozess. Für eine neue Bildungskultur der Freiwilligkeit und der Solidarität!

3. Was muss ich unbedingt können, um OER zu nutzen?

Wichtig für die Nutzung von OER ist ein grundlegendes Verständnis zu Urheberrecht und freien Lizenzen. Für Nicht-Juristen einfach erklärt:

  • Wenn eine Person etwas erstellt, dann ist das Ergebnis automatisch urheberrechtlich geschützt. Bsp: Ich mache ein Foto → das Foto unterliegt dem Urheberrecht
  • Das Urheberrecht setzt der Nutzung von erstellten Dingen sehr enge Grenzen. Es gilt die Faustregel: privat darf ich damit so gut wie alles machen; öffentlich prinzipiell gar nichts. Öffentlich ist dabei alles, was nicht nur mich und direkt mit mir bekannte Personen betrifft.
  • Wenn eine Person will, dass für das von ihr erstellte Produkt die engen Grenzen des Urheberrechts gelockert werden, dann kann sie dieses unter einer freien Lizenz veröffentlichen.

Für den Bildungsbereich nutzen wir als freie Lizenz die so genannten Creative Commons Lizenzen – abgekürzt mit CC. Eine Veröffentlichung unter einer CC Lizenz kann mit unterschiedlichen Bedingungen verküpft sein. Diese werden als Kürzel an die CC Buchstaben drangesetzt:
BY – der Name soll mit genannt werden.
SA – es soll nur unter gleichen Bedingungen geteilt werden
NC – es darf nicht kommerziell genutzt werden
ND – es darf nicht verändert werden.

Da die Idee von OER das Teilen und der Remix ist und wir dieses somit so einfach wie möglich machen wollen, ist es sinnvoll, als Lizenz eine CC BY Lizenz zu wählen. Alternativ kann man das erstellte Material auch als CC0 veröffentlichen. Dann ist es ohne Bedingungen nutzbar.

Wenn man ein Material unter einer CC-BY Lizenz weiter verwenden will, dann muss ein Lizenzhinweis angegeben werden. Dazu kann man sich die TULLU-Regel merken. TULLU steht für: Titel, Urheber, Lizenz, Link zur Lizenz und Ursprungsort. Das sind die Bestandteile, die zu einem Lizenzhinweis gehören. Genau erklärt ist die TULLU-Regel hier.

Beispiel für einen Lizenzhinweis zu diesem Blogpost:
Der Blogbeitrag ‚Konmpakteinstieg OER‘ (=Titel) von Nele Hirsch (=Urheberin) steht unter der Lizenz CC BY 4.0 (Lizenz und gleich verlinkt der Link zur Lizenz) via eBildungslabor (Fundort)

Damit ich selbst erstellte Materialien auch als OER veröffentlichen kann, sollte ich – wenn ich dazu auch auf Materialien von anderen zurückgreife – nur CC-lizenzierte Materialien verwenden.   

Diese finde ich:
a) in Suchmaschinen via Einstellungen/ erweiterten Einstellungen (z.B. Google Bildersuche)
b) in Datenbanken, die nur CC-Material beinhalten (http://www.pixabay.com/ für Bilder)
c) via Organisationen für freies Wissen wie z.B. die Wikimedia Commons

Zu dem fertigen Material schreibe ich dann bei Veröffentlichung meine ausgewählte CC Lizenz dazu, so dass andere wissen, dass es sich um ein frei lizenziertes Material handelt und es entsprechend weiter verwenden können. Damit die Lizenz auch von Suchmaschinen gefunden werden kann, kopiere ich mir dazu am besten den Lizenz-Code von Creative Commons.

4. Welche Plattformen/ Tools können mir bei der Nutzung von OER helfen?

Es gibt eine immer größere Anzahl an Tutorials, Websites und Hilfestellungen zum Thema OER. Vor allem helfen Dir auch die in der OER-Community aktiven Menschen immer gerne weiter. Einfach fragen!

Praktische Tools, Hilfestellungen und Anregungen bieten unter anderem die folgenden Webseiten:

Für mehr Informationen und Lernen zu OER empfehle ich insbesondere: